Gesundheit : Zahl der Pflegefälle steigt

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Berlin nimmt zu. Grund sind der demographische Wandel und der medizinische Fortschritt, durch den immer mehr Menschen immer älter werden. Die Hauptlast in der Pflege tragen Frauen.

Berlin - "Die überwiegende Zahl - etwa drei Viertel der Betroffenen - wird zu Hause versorgt", sagte der Fachreferent für Altenpflege bei der Caritas Berlin, Hans-Joachim Wasel. Allein in den Jahren 1999 bis 2005 nahm die Zahl der zu Pflegenden von 80.870 auf mehr als 96.100 zu - Tendenz steigend.

In der Hauptstadt gibt es rund 350 ambulante Pflegedienste. Die Caritas hat derzeit in der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Berlin die Federführung.

"Die Familie ist die Stütze der Pflege." Pflege zu Hause ist zwar deutlich kostengünstiger als ein Heim, bringt aber auch Probleme mit sich. "Die Pflege von Familienangehörigen ist eine große Last, die meist an den Frauen hängen bleibt, die zudem noch anderes zu tun haben", sagte Wasel. "Pflege ist ein Knochenjob", sagt Gabriele Schlimper vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin über die Belastung von Angehörigen und professionellen Helfern.

Eine Million Menschen werden zu Hause betreut

Annähernd zwei Drittel der Pflegebedürftigen sind älter als 75 Jahre, etwas mehr als ein Drittel sind Hochbetagte. Bundesweit werden nach Angaben des Kuratoriums Deutsche Altenhilfe rund eine Million Menschen zu Hause betreut. Viele Angehörige nutzen die Hilfe von professionellen Pflegediensten der Wohlfahrtsverbände, Kommunen oder privaten Anbietern. Angeboten werden auch Kurse, die Grundkenntnisse der häuslichen Pflege vermitteln. Ältere Menschen brauchen in der Regel zunächst keine medizinische Hilfe, sondern Unterstützung im Haushalt.

Mit der Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 können die alten Menschen heute länger zu Hause bleiben als früher. Wenn sie ins Heim kommen, sind sie aber in einem gesundheitlich schlechteren Zustand. "Wer Anfang der 90er Jahre in eine stationäre Einrichtung kam, war meist knapp unter 70 Jahre alt", sagte der Geschäftsführer der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen, Friedhelm Fürst. "Heute sind die Menschen meist Mitte 80." Einstellen müssen sich die Helfer zunehmend auf Altersverwirrung und Demenz. "Da werden oft auch die eigenen Angehörigen nicht mehr erkannt", sagt Schlimper.

Osteuropäische Konkurrenz für deutsche Pflegedienste

Die Konkurrenz für die Pflegedienste durch Polinnen und Tschechinnen nimmt nach Schlimpers Darstellung zu. Wer mit seiner Pflege nicht zufrieden sei, greife gern auf die Dienste von Ausländerinnen zurück. Die Frauen arbeiten in einer rechtlichen Grauzone und bieten meist für etwa 800 Euro im Monat ihre Dienste als Rund-um-Haushaltshilfe an. Nach Wasels Meinung hat diese Tendenz aber Grenzen: "Um so etwas bezahlen zu können, brauche ich doch schon ein realtiv hohes Einkommensniveau."

Die Frauen aus Osteuropa seien allerdings eine "Bedrohung der professionellen Pflege". Dagegen müsse vorgegangen werden, mahnte Wasel. "Schwarzarbeit auf dem Bau wird auch verfolgt." Er warnte aber davor, "die Familien, die so etwas in Anspruch nehmen, zu kriminalisieren". (tso/dpa)

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