Gesundheitsämter : Kinderschutz: Stellenplan wird geprüft

Statt neuer Stellen für den Kinderschutz, sollten zuletzt bereits bestehende in den Berliner Gesundheitsämtern umverteilt werden. Dieser Plan ist jetzt in die Kritik geraten. Senatorin Katrin Lompscher reagiert - und kündigt eine erneute Prüfung der Zahlen an.

Die Abgeordneten im parlamentarischen Gesundheitsausschuss haben gestern die Entscheidung des Senats, keine neuen Sozialarbeiterstellen in den bezirklichen Gesundheitsämtern zu schaffen, kritisiert. Wie berichtet, hatte sich der Senat vor zwei Wochen dagegen ausgesprochen, in den zwölf Bezirken 24 zusätzliche Stellen – wie ursprünglich geplant – für Aufgaben des Kinderschutzes einzurichten. Damit hatte sich Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) gegen Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) durchgesetzt. Stattdessen soll eine Umverteilung von Sozialarbeitern innerhalb der Bezirke diese Aufgaben sichern. Dazu gehören die Erstbesuche bei Familien mit Neugeborenen und Vorsorgeuntersuchungen bei zwei- bis dreijährigen Kindern.

Lompscher kündigte jetzt für die Gesundheitsämter eine neue Berechnung des Stellenplans an. Sie will den neuen Stellenplan mit Zustimmung von Finanzsenator Thilo Sarrazin nach der Sommerpause vorstellen. Zudem wolle sie mehrmals im Jahr die Situation der Bezirksämter prüfen, um die Stellenzahlen immer wieder neu zu berechnen, versprach die Senatorin.

Damit sei für ihn offensichtlich, dass der Senat bisher mit seiner Berechnungsgrundlage gepfuscht habe, sagte Kai Gersch (FDP). „Ich unke mal, dass eine neue Zielstruktur im Gesundheitsdienst erst am Jahresende stehen wird.“ Der Antrag der Grünen, über die abgeschmetterten 24 Sozialarbeiterstellen erneut zu sprechen, wurde vertagt. „Damit geht das ganze Spiel weiter, und die Bezirke stehen nach wie vor ohne sicheren Kinderschutz da“, sagte Elfie Jantzen von den Grünen.

In der Realität sei es nicht möglich, Personal einfach umzuverteilen, sagte Gesundheitsstadträtin Sibyll Klotz (Grüne) vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Klotz kritisierte, dass bei dem Stellenplan nicht berücksichtigt werde, dass viele Sozialarbeiter demnächst in Rente gingen und türkische Muttersprachler in den Bezirksämtern fehlten. „Außerdem ist doch klar, dass ein Amt wie Mitte nicht einfach einen seiner Sozialarbeiter an ein anderes Amt abgibt“, sagte Klotz. Im Gesundheitsamt Mitte beispielsweise sind zur Zeit 13 Sozialarbeiter angestellt, während es in Tempelhof-Schöneberg nur acht sind. Laut Senatorin Lompscher variieren die Stellenzahlen der Bezirken zwischen sechs und 13.

Klotz zeigte sich enttäuscht über Lompschers Pläne: „Die versprochenen 24 Stellen wird es für uns nicht geben. Und das geht dann solange gut, bis wieder ein Fall von Kindstötung- oder Vernachlässigung bekannt wird.“ liv

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