Gesundheitsbranche : Senat will die Lage von Hebammen erkunden

Die Gesundheitsexperten im Abgeordnetenhaus wollen mehr Daten über die Berliner Geburtshelferinnen - seit Monaten gibt es Streit um Honorare und Versicherungen.

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Die Debatte um die Arbeitsbedingungen von Hebammen hat das Abgeordnetenhaus erreicht. Die Gesundheitsexperten der Fraktionen und Senator Mario Czaja (CDU) wollen nach intensiven Gesprächen im Gesundheitsausschuss am Montag nun die Lage sondieren: Wie viele Hebammen arbeiten in welchen Bereichen, was verdienen sie, wo werden sie eher gebraucht und welche Kosten haben sie zu tragen? „Wir brauchen bessere Daten“, sagten Czaja und der Ausschussvorsitzende Wolfgang Albers (Linke).

In den vergangenen Jahren waren die Kosten für die Versicherungen, die Geburtshelferinnen für ihren Job brauchen, massiv gestiegen. Gleichzeitig wurden weniger Hebammen gebraucht, bei Stundenlöhnen von 7,50 Euro netto rutschten viele an das Existenzminimum – Hebammen arbeiten oft freiberuflich und tragen dann die Risiken anders als ihre Kolleginnen in den Kliniken voll selbst. Ein üblicher Jahresbeitrag zur Berufshaftpflicht stieg zuletzt auf 4200 Euro, auch weil durch falsche Geburtshilfe verursachte Behinderungen oft lebenslange Folgen und entsprechende Kosten verursachen. Hebammen fordern bis zu 30 Prozent höhere Honorare. Diese legt der zuständige Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen. Nach Protesten und einer Aufforderung der Bundesregierung waren sie zuletzt etwas erhöht worden.

Während sich viele Abgeordnete bei der Ausschusssitzung am Montag zumindest verbal mit den Vertreterinnen der Hebammen solidarisierten, wies Albers darauf hin, dass einiges gegen Hausgeburten und vieles für Klinikentbindungen spräche: So kämen auf 1000 Geburten rund 40 Schadensfälle, eine Quote, die sich kein Krankenhaus leisten könne. Die rund 400 freiberuflich tätigen Hebammen in Berlin dürften das nicht gern hören, zumal sie ohnehin schon von dem Trend abnehmender Hausgeburten betroffen sind: Nicht mal zwei Prozent der rund 30 000 Geburten im Jahr in Berlin finden zu Hause statt. Wegen des langen Gesprächs zu den Hebammen wurde am Montag die erwartete Debatte über Altersarmut verschoben.

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