Berlin : Gesundheitspolitik: Verkehrte Welt

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Aids-Patienten werden in Berlin mehr denn je ambulant behandelt. Das spart den Kranken lange Wege und den gesetzlichen Kassen hohe Klinik-Kosten, treibt aber die Arzneimittelausgaben der niedergelassenen HIV-Ärzte um ein Vielfaches nach oben. "Etwa 80 Prozent der gesamten Behandlungskosten für einen Aids-Patienten fallen inzwischen im ambulanten Bereich an", sagt der Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin (KV), Dusan Tesic.

1995 wurden in Berlin nach seinen Angaben für jeden ambulant behandelten HIV-Kranken durchschnittlich Medikamente im Wert von 15 000 Mark verordnet. Inzwischen sind es jährlich 50 000 Mark. Hinzu kommt, dass Aidskranke dank verbesserter Therapien deutlich länger leben und entsprechend länger behandelt werden. Unter dem Strich rechnet die KV in diesem Jahr mit Kosten von 100 Millionen Mark für HIV-Behandlungen. Das Arzneimittel-Budget für die ambulante Versorgung in Berlin sowie die Budgets der einzelnen HIV-Schwerpunktpraxen seien aber keineswegs entsprechend erhöht worden. Manchen HIV-Ärzten werden deshalb für 1999 erneut gravierende Budget-Überschreitungen zur Last gelegt. Die KV plädiert für einen Finanzausgleich: Die gesparten Gelder für Kliniken müssten den niedergelassenen Ärzten gutgeschrieben werden.

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