Berlin : Gesundheitsrisiko Mobiltelefon?: SMS-Botschaften schinden Daumen und Handgelenke

skk

Über den Einfluss der Handy-Strahlen auf den menschlichen Körper diskutiert die Fachwelt schon lange. Noch bevor die Wissenschaftler bewiesen haben, dass die unsichtbaren Dinger tatsächlich zu Schäden führen, hören wir besorgte Tipps. Fasse Dich kurz! Nutze die Freisprecheinrichtung! Telefoniere nur bei gutem Empfang! Dann ist das Risiko, allenfalls einen Schaden davonzutragen, von vornherein viel kleiner.

Dass die elektromagnetischen Strahlen, die von Mobiltelefonen ausgehen, auf den Körper und das Nervensystem wirken, bestreitet längst niemand mehr. Forscher haben unter anderem Schlafstörungen, Bluthochdruck, Sehstörungen, sogar Diabetes und Tinnitus mit Mobiltelefonen in Verbindung gebracht. Die Beschwerden lassen aber offenbar schlagartig nach, wenn sich die Betroffenen nicht mehr in der Nähe des elektromagnetischen Feldes aufhalten.

Nun platzt eine neue Schreckensmeldung in die schöne neue Welt des mobilen Telefonierens. Die Meldung nämlich, dass neben den Strahlen auch das Tippen der Kurzbotschaften SMS gesundheitsschädliche Folgen haben kann. Eines der ersten SMS-Opfer sei Karin Göring-Eckhardt, stand letzte Woche in der Zeitung zu lesen. Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen trage neuerdings einen Stützverband, weil sie sich wegen der vielen SMS-Botschaften, die sie auf ihrem Handy getippt hatte, eine Sehnenscheidenentzündung geholt habe.

Zu allem Übel war eine ähnliche Nachricht schon Anfang des Sommers durch die Medien gegangen. Damals hatten die Leute der englischen Repetitive Strain Injury Association, einer mit Gesundheitsschäden durch schlecht entworfene Tastaturen befassten Organisation Alarm geschlagen. Deren Direktor Andrew Chadwick orakelte damals, "dass halb Großbritannien in 20 Jahren arthritische Daumen hat und die Handyhersteller verklagt". Die medizinische Begründung dafür, warum das Tippen auf den kleinen Tasten so ungesund sei, lieferte er gleich nach. "Die Daumenbewegungen sind so winzig, dass sie die Durchblutung nicht fördern. Die Finger laufen wie eine Maschine, die nicht geölt worden ist."

Indes - in Berliner Praxen und Kliniken lösen derartige Überlegungen nur Kopfschütteln aus. "Komisch", sagen die einen, "lächerlich" die andern, und dritte wollen sich erst gar nicht äußern, weil sie dem Thema schlicht jede Ernsthaftigkeit absprechen. SMS-Opfer, die wegen der vielen Tipperei ernsthafte Probleme an Händen und Handgelenken bekommen haben, scheinen hierzulande zu den großen Unbekannten zu gehören. Da sind die Studenten, die eine Menge zu schreiben haben, ein viel größeres Thema bei den angefragten Ärzten. "Die bekommen schon mal Probleme", sagt Schwester Katharina Kridde, Praxishilfe bei Orthopädin Hedi Habermann.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar