Gesundheitsversorgung : Vivantes schließt Klinik in Prenzlauer Berg

Das Krankenhaus in der Fröbelstraße wird zum Ärztezentrum, die Betten sollen nach Friedrichshain umziehen. Betriebsräte befürchten, dass über 100 Jobs wegfallen könnten.

Hannes Heine

Das Klinikum Prenzlauer Berg soll künftig keine Patienten mehr beherbergen. Der Klinikkonzern Vivantes will das Krankenhaus in den nächsten Jahren in ein ambulantes Ärztezentrum umwandeln, Patienten werden dann nicht mehr über Nacht dort behalten. „Im Mittelpunkt unseres Denkens steht der Patient – auch wenn wir ökonomischen Zwängen Rechnung tragen müssen“, sagte Vivantes-Chef Joachim Bovelet am Mittwoch. Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi befürchten den Verlust von Arbeitsplätzen.

„Knapp 100 Pfleger und Schwestern werden in den nächsten Jahren entlassen“, erwarten Betriebsräte. Nach einer Mitarbeiterversammlung am Mittwoch zeigte sich ein Teil der 270 Beschäftigten skeptisch. „Ohne Leute rauszuschmeißen, wird die Sache nicht ausgehen“, sagte ein hoher Mitarbeiter. Auch Verdi ist besorgt. „Wenn kein überzeugendes Personalkonzept kommt, könnten zahlreiche Kollegen ihren Job verlieren“, glaubt Verdi-Experte Stefan Thyroke.

Die Konzernleitung kontert: „Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten. Die Mitarbeiter werden in unseren anderen Kliniken unterkommen“, sagte ein Vivantes-Sprecher. Das zum Konzern gehörende Klinikum im Friedrichshain werde bis 2011 so erweitert, dass die stationären Betten aus dem drei Kilometer entfernten Standort in Prenzlauer Berg dorthin verlagert werden könnten. Das Krankenhaus in der Fröbelstraße in Prenzlauer Berg ist mehr als 100 Jahre alt und mit 211 Betten die kleinste Vivantes-Klinik. Sie gilt aber als profitabel. „Dennoch müsste vor allem in das Gebäude viel investiert werden“, sagte ein Vivantes-Sprecher. Langfristig werde sich der Standort nicht mehr rechnen. Der Aufsichtsrat des größten kommunalen Klinikunternehmens Deutschlands habe deshalb Dienstagabend beschlossen, vielmehr das Klinikum im Friedrichshain auszubauen.

Betriebsrat und Verdi wollen nun die nächsten Schritte der Klinikleitung abwarten. Erst vor wenigen Monaten hatten sich die Pfleger von Vivantes über den zunehmenden Arbeitsdruck beklagt. „Wir fordern konkrete Informationen von der Geschäftsführung“, heißt es aus dem Betriebsrat. Auch wolle man prüfen, ob ein Abbau der Betten etwa ein Eingriff in den Krankenhausplan des Landes sei.

Rund ein Drittel aller Berliner Patienten werden in Vivantes-Kliniken behandelt. Der Konzern beschäftigt 13 500 Mitarbeiter. Vivantes hatte immer wieder betont, dass der finanzielle Druck auf die Krankenhäuser durch Kürzungen staatlicher Mittel ständig zunehme. Mit einem Etat von 730 Millionen Euro verzeichnete Vivantes 2006 einen Gewinn von sieben Millionen Euro. Hannes Heine

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