Berlin : Geteilte Erinnerungen vereint

Bundeskanzlerin Angela Merkel und 750 Ehrengäste eröffnen die Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums im Zeughaus

Bernhard Schulz

„Kaiserwetter“ hätte man früher den Sonnenschein genannt, der sich gestern Vormittag über die Stadt ergoss. Entsprechend gut gelaunt waren die 750 Ehrengäste, die zusammengekommen waren, um die Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums (DHM) im von Grund auf renovierten Zeughaus zu feiern. Immerhin 19 Jahre sind seit der Gründung des DHM im damals noch geteilten Berlin vergangen, ehe nunmehr auf knapp 8000 Quadratmetern Fläche in den beiden Etagen des Zeughauses exakt 8152 Objekte die Geschichte Deutschlands und der Deutschen von der Römerzeit bis nach der Wiedervereinigung nachzeichnen. Keiner der fünf Festredner unterließ den Hinweis auf die lange Entstehungszeit dieser Dauerausstellung, mit der das seit langem durch Wechselausstellungen tätige Museum erst zu einem vollgültigen Museum wird.

Gerahmt von den Klängen des Bläserquintetts des Concerto Brandenburg, hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel die Festansprache, begrüßt von DHM-Direktor Hans Ottomeyer. Merkel nannte die Eröffnung „im wahrsten Sinne des Wortes einen geschichtsträchtigen Moment an einem geschichtsträchtigen Ort“ und erinnerte daran, dass das Zeughaus zu DDR-Zeiten das „Museum für Deutsche Geschichte“ beherbergt habe. Dies habe versucht, „ein marxistisches Geschichtsbild zu vermitteln“, während sich hier jetzt „das Geschichtsmuseum eines demokratischen, freiheitlichen und in der Welt geachteten Deutschland“ befinde. Die Kanzlerin hob mehrfach hervor, dass das Zeughaus dem Besucher „kein starres Geschichtsbild“ aufdränge, sondern zum Nachdenken anrege. Das bedeute aber nicht, dass die Ausstellung „frei von geschichtspolitischen Absichten“ sei: „Sie ist es nicht und sie soll es auch nicht sein“, weil – und da zitierte sie die Gründungsurkunde von 1987 – „für das deutsche Volk die gemeinsame Geschichte mit all ihren Höhen und Tiefen eine wichtige Grundbedingung seiner Existenz ist“. Mit Blick auf ihre Herkunft aus dem Osten hob sie besonders die Aufgabe des Museums hervor, „verschiedene Erinnerungskulturen miteinander zu versöhnen“, auch „indem die Erfahrungen und Erinnerungen der Menschen, die in der DDR lebten, zur Geltung kommen“. So könne „aus einer geteilten Erinnerung der Deutschen eine gemeinsame werden“.

Dies anhand der Objekte zu überprüfen, bot der anschließende Schnellrundgang Gelegenheit, zu dem die Kanzlerin durchs Haus eilte – vorbei an Mittelalter, Reichsgründung, NS-Regime und dem großen Kapitel des geteilten Deutschlands, in dem die Geschichte von Bundesrepublik und DDR von der Ausstellungsarchitektur als Parallelerzählung dargestellt wird, links der Osten, rechts der Westen. Ab heute nun hat jedermann täglich zwischen 10 und 18 Uhr Gelegenheit, sich ein eigenes Bild von der deutschen Geschichte zu machen – getreu Merkels Motto passend zur Fußball- WM: „Wer sich selbst besser versteht, der kann auch selbstbewusster und aufgeschlossener auf andere zugehen.“

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