Berlin : Getötet und zerstückelt

Mordprozess um Tod bei bizarren Sexpraktiken.

Drei Wochen nach dem Verschwinden des Bankmitarbeiters Carsten Sr. brachte Michael S. dessen Tasche zur Polizei. Er schien offen, redselig und entspannt. Er berichtete von seinem letzten Treffen mit dem Banker und sadomasochistischen Praktiken. Er trat als ein Zeuge auf, der helfen wollte. Tatsächlich hatten bizarre Sexspiele zu einem tödlichen Ende für den 37-jährigen Carsten Sr. geführt. Polizeibeamte fanden die zerstückelte Leiche in der Wohnung von Michael S., einem arbeitslosen Handelsvertreter. Der 44-Jährige muss sich seit Mittwoch wegen Mordes verantworten.

Er starrte zu Boden, als die Staatsanwältin die Anklage verlas. Anfang Januar hatten sich die Männer, die sich über ein Online-Dating-Portal kannten, wieder einmal getroffen. Es sei einvernehmlich zu Sex gekommen. Sr. habe sich ans Bett fesseln lassen. S. verklebte ihm Mund und Nase – „um sich durch die hilflose Lage des Sr. sexuell zu erregen“, heißt es in der Anklage. Er habe billigend in Kauf genommen, dass sein Sexualpartner ersticken könnte. Ihm wird Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebes zur Last gelegt.

Der grausige Fund verschlug den Ermittlern zunächst die Sprache. Der Körper war zerteilt, den Kopf fand man in einem Topf. Weitere Leichenteile lagen in Koffern und Plastiksäcken. Als Polizisten in die Mariendorfer Wohnung von S. kamen, hatte er sich gerade die Pulsadern aufgeschnitten. Er soll später bei der Polizei die Tötung zugegeben, aber von einem Unfall gesprochen haben. Vor Gericht schwieg er zunächst.

Carsten Sr. suchte als Sadomaso-Anhänger entsprechende Treffen. Zeugen sagten später, er habe sich „quälen lassen bis aufs Blut“. Auch von Todesfantasien war die Rede. Er habe sich vorgestellt, beim Sex zu Tode zu kommen. Michael S. will abgelehnt haben, ihm den Mund mit Sekundenkleber zu verschließen.

Der Bankangestellte habe offenbar den „ultimativen Kick“ gesucht, sagte der Verteidiger am Rande der Verhandlung. Im Prozess werde es um die Frage der „eigenverantwortlichen Selbstgefährdung“ gehen. Mit seiner Zustimmung zu den möglicherweise perversen Praktiken habe Sr. auch dazu zugestimmt, dass er zu Tode kommen könnte. Nicht Mord sei es, sondern eine fahrlässige Tötung. Den Angeklagten beschrieb er als sensibel. „Er ist betroffen, dass er noch lebt.“ Der Prozess geht am Freitag weiter. K.G.

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