Berlin : Getränkebranche kommt ins Schwitzen

Zusatzschichten in Brauereien. Leergut wird knapp

Matthias Jekosch

Reiner Mühling, Inhaber des Prima Getränkevertriebs, ist im Stress: „Wir fahren hart an der Grenze.“ Radler und Berliner Weiße sind schon rationiert. Sein Betrieb bekomme von diesen Biermixen – „wenn überhaupt“ – nur noch die Hälfte. Das beliebte Sommergetränk Berliner Weiße wird auch bei anderen Betrieben auf die Liste der vom Ausverkauf bedrohten Getränke gesetzt. Tatsächlich könne es zu Engpässen bei den Spezialitäten kommen, räumt Bettina Pöttken, Pressesprecherin der Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei, die auch Berliner Weiße herstellt, ein. Doch insgesamt sei die Brauerei gut auf die Hitze eingestellt. „Wir haben schon für die WM auf Drei-Schicht-Betrieb sechs Tage die Woche umgestellt. Wegen der Hitze haben wir das noch nicht rückgängig gemacht.“

Die 40 Mitarbeiter des Getränke-Vertriebs A. Kamphenkel kommen vor lauter Arbeit ganz schön ins Schwitzen. 800 Betriebe müssen beliefert werden. „Wir machen Überstunden und zusätzliche Ausfahrten“, berichtet Vertriebsleiter Manfred Kroll. Auf kurzfristige Bestellungen könne der Betrieb kaum reagieren. Sorgen hat man auch beim Donau-Getränke-Service: „Der Becks-Lieferant gibt nichts mehr raus.“

Rolf Harder, der Geschäftsführer vom größten Getränke-Einzelfachhändler im Raum Berlin, Getränke Hoffman, erzählt von einem weiteren Problem. „Internationale Firmen wie Vittel müssen gegen die Hitzewelle in ganz Europa ankämpfen.“ Da gebe es dann in Deutschland Schwierigkeiten bei manchen Produkten. „Die LKW müssen an den Rampen der Abfüller länger warten als gewöhnlich“, erzählt wiederum Zare Grabsch, der einen Getränkemarkt in Berlin-Lichterfelde betreibt. Er hat zwei zusätzliche Leute eingestellt, damit die Kunden schnell genug an ihre Getränke kommen.

Nach dem kalten und extrem umsatzschwachen Frühjahr ist die Branche trotz aller Klagen nicht unfroh über die Nachfrage. Im Coca-Cola-Werk Hohenschönhausen läuft der Betrieb in der Woche rund um die Uhr. Derzeit verlassen 2,5 Millionen Flaschen pro Woche das Werksgelände, was einer Steigerung von fast 40 Prozent entspricht. Auch die Spreequell Mineralbrunnen GmbH vermeldet Rekordverkäufe. Im Vergleich zum Juli des Vorjahres wurde der Absatz von Spreequell-Mineralwasser um 50 Prozent gesteigert. Und auch die Berliner Brauerei freut sich über zweistellige Zuwachsraten im Juli. Um weiterhin pünktlich liefern zu können, ruft Pöttken dazu auf, das Leergut zurückzubringen. Ohne leere Flaschen geben die Abfüller nämlich irgendwann keine vollen zurück. Knapp wird es insbesondere bei den Mehrwegflaschen. „Wenn die Hitze anhält, wird es noch enger“, warnt Harder.

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