• Getrennte Veranstaltungen zum Jahrestag der tödlichen Schüsse am israelischen Konsulat

Berlin : Getrennte Veranstaltungen zum Jahrestag der tödlichen Schüsse am israelischen Konsulat

Jeannette Goddar

Gerade einmal 20 Frauen folgten gestern einem auch unter Kurden kaum verbreiteten Aufruf zu einem Marsch vor das israelische Generalkonsulat. Begleitet von einem starken Polizeiaufgebot skandierten sie "Freiheit für Öcalan" und legten einen Kranz nieder. Die Veranstaltung endete nach kurzer Zeit friedlich. Heute, am Jahrestag der Schüsse, will die Kurdische Gemeinde um 13 Uhr ebenfalls einen Kranz vor dem Konsulat niederlegen; nur eine Stunde später lädt die PKK-nahe Demokratische Emigranten-Union am Mehringdamm zu einer Gedenkveranstaltung.

Die unkoordinierte Terminierung der Veranstaltungen macht aber auch die Zersplitterung der kurdischen Organisationen deutlich. "Wir wissen von nichts", hieß es im Kurdischen Zentrum gestern zu der zeitgleich stattfindenden Kranzniederlegung, "wir wurden nicht eingeladen" von einem anderen Verein, "wir planen lediglich das Newroz-Fest in der Technischen Universität", verlautete aus dem Kurdistan Kultur- und Hilfsverein.

Uneinigkeit herrscht hingegen vor allem über den Umgang mit der geläuterten kurdischen Arbeiterpartei, deren Führer Abdullah Öcalan seit seiner Inhaftierung dabei ist, die Organisation auf Friedenskurs zu trimmen. "Statt auf Krieg setzen viele jetzt auf Frieden - so wie Öcalan es gesagt hat", konstatiert ein Mitarbeiter des Kurdischen Zentrums, "deswegen bleibt es auch so ruhig." Der PDS-Abgeordnete Giyassettin Sayan weiß aber auch, dass "Öcalan durch seinen neuen Kurs viele gewonnen, aber auch viele verloren hat. Viele waren nun einmal für den bewaffneten Kampf." Für Sayan war Öcalans Schritt richtig: "Es darf kein Blut mehr vergossen werden."

Andere wiederum werfen dem PKK-Führer puren Opportunismus vor. Öcalan mache "eine 180-Grad-Wendung, nur um sein Leben zu retten", meint Firat Altas, "mit einer derartigen Politik wird die PKK massiv an Unterstützung verlieren." Bisher allerdings, ist man sich weitgehend einig, ist ein Ende der Einflussnahme nicht in Sicht. Zwar möge es "bei manchen PKKlern wegen des Zick-Zack-Kurses Öcalans eine gewisse Desorientierung geben", konstatiert der Kurdistan-Forscher an der FU, Hajo Siamend, "aber das heißt noch lange nicht, dass die Strukturen zerschlagen sind."

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