Berlin : Getrennte Wege

Hunderte Linke kamen zur Demo in Friedrichshain In Lichtenberg waren nur 30 Rechte erschienen

Die Wasserwerfer blieben am Straßenrand stehen, die mehr als 1000 eingesetzten Polizeibeamten hatten zunächst kaum etwas zu tun: Die befürchteten Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der linken und rechten Szene in Lichtenberg und Friedrichshain blieben bis zum frühen Abend aus.

Zum gestrigen Jahrestag der Ermordung des Berliner Hausbesetzers Silvio Meier durch Neonazis im Jahr 1992 hatten beide Seiten zu Kundgebungen aufgerufen. Die Veranstaltung der Rechten am Nachmittag besuchten jedoch weniger Teilnehmer als erwartet: Gegen 14.30 Uhr versammelten sich lediglich 30 Personen aus dem rechten Spektrum in der Lichtenberger Margaretenstraße Ecke Weitlingstraße. An einer zeitgleich stattfindenden Gegenkundgebung auf dem rund 500 Meter entfernt gelegenen Münsterlandplatz nahmen etwa 50 Menschen teil. Lichtenbergs Bezirksbürgermeisterin Christina Emmrich (Die Linke) hatte zu der Versammlung aufgerufen und sprach sich dort für den Kampf gegen Faschismus und Rassismus aus.

Die Stimmung blieb friedlich, es gab keine Versuche von Nazigegnern, die Veranstaltung der Rechten zu stören oder gar zu verhindern. Allerdings erteilte die Polizei den Rechtsextremen nach einiger Zeit die Auflage, das Megafon deutlich leiser zu drehen. Die Teilnehmer kamen der Anweisung nur widerwillig nach und kündigten an, deswegen vor Gericht zu ziehen.

Von einem Balkon hatten sie ein großes Transparent mit der Aufschrift „Wir gedenken Silvio Meier“ gehängt, die Kundgebung hatte den Titel „Unser Kiez will keine Schläger“. Beides sollte die linke Szene provozieren. Prominente Rechtsextreme nahmen nicht an der Kundgebung teil – offensichtlich, weil zeitgleich der Parteitag der Berliner NPD in Brandenburg stattfand. Trotzdem blieben die Beamten vor Ort präsent: Nachdem vor kurzem Linksautonome einen Schlagstocküberfall auf fünf Rechte in einem Schnellrestaurant in Friedrichshain verübt hatten, gilt die Stimmung allgemein als angespannt. Es muss mit Racheaktionen gerechnet werden.

Ein anderes Bild als in Lichtenberg zeigte sich am frühen Abend am U-Bahnhof Samariterstraße in Friedrichshain, dem Ort, an dem der Hausbesetzer Silvio Meier 1992 ermordet wurde. Mehrere hundert Teilnehmer – weit mehr als erwartet – versammelten sich dort. Auch ein großer „schwarzer Block“ der Autonomen hatte sich gebildet. Zudem befanden sich am frühen Abend mehrere hundert weitere Linke – Teilnehmer eines „Jugendantifa-Kongresses“ in Weißensee – auf dem Weg zur Demonstration. Sie wurden jedoch von der Polizei zunächst gestoppt und nach möglichen Waffen kontrolliert. Ha/Tsp

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