Berlin : Getrübte Feierstimmung beim Musikfest

Fête de la Musique: Größer, aber gefährdet

Das gab es noch nie bei der Fête de la Musique: Erstmals wird am 21. Juni Musik in allen Bezirken gespielt. 103 Bühnen, 750 Künstler aller Musikrichtungen und weitere 4000 Musizierende spielen zum Sommeranfang. Das Straßenmusikfestival wird immer beliebter und größer: mehr Bühnen, mehr Künstler, mehr Zuschauer. Der Erfolg des weltweit am gleichen Tag in 340 Städten begangenen Musikfests umsonst und draußen ist aber zugleich eine Bedrohung für die Veranstaltung. 100 000 Euro kostet es, das Ereignis zu stemmen, doch nur 24 000 Euro sind als Finanzierung durch den Senat vorgesehen. Mit einem halben Dutzend Fachleuten organisiert die Berlinerin Simone Hofmann die Fête seit 1996.

„Wenn es bei der Summe bleiben sollte, schaffe ich das einfach nicht mehr“, sagt Hofmann. „Ich habe jahrelang draufgezahlt, habe nebenbei andere Veranstaltungen organisiert, weil die Fête mein Kind ist.“ Laut Hofmann organisiert ihre „Fête Company“ das 1982 vom französischen Kulturminister Jack Lang initiierte weltumspannende Kulturfest auf Wunsch des Senats, dieser habe einst einen Veranstalter gesucht, sie habe das gerne übernommen, den Titel geschützt, berät andere Städte beim Aufbau einer Fête. Vom Senat war gestern dazu nichts zu erfahren.

Alles fing Mitte der Neunziger an mit einer einzigen Bühne im alten Tempodrom im Tiergarten und 100 000 Zuschauern. Zuletzt kamen – je nach Wetter am Werktag – bis zu 150 000 Gäste. Hofmann zufolge müssen Künstlersozialkassenbeiträge, Gema-Gebühren, Werbung und Honorare bezahlt, die bezirklichen Genehmigungverfahren koordiniert werden. Die Webpage ist neu, eine Evaluierung der Gäste geplant. Einnahmen durch Vermietungen wie beim Karneval habe sie nicht, sagt Hofmann. 400 Musikgruppen werden gecastet, sie bewerben sich ohne Ausschreibung. Für 2010 und 2011 hat die „Fête Company“ pro Jahr rund je 90 000 Euro von der Lottostiftung bekommen. Sie habe alle Register gezogen, um das Fest zu retten, Anträge gestellt bei der Lottostiftung, dem Hauptstadtkulturfonds. „Das Fest passt gut zur Musikstadt Berlin“, hieß es gestern bei „Visit Berlin“.

In diesem Jahr geht es am 21. Juni um 16 Uhr los auf Straßen, Plätzen und in Grünanlagen, ab 22 Uhr geht es rein. Neu sind Bühnen in Reinickendorf, Spandau und Steglitz-Zehlendorf. Zudem sind viele Kirchen erstmals dabei. ecp/kög

Alle Infos: www.fetedelamusique.de

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