Berlin : GEW: Westteil hat 175 Lehrer zu wenig

Stellen nicht bewilligt Personalreserve fehlt

Susanne Vieth-Entus

Fünf Wochen vor Schulbeginn zeichnet sich ein gravierender Lehrermangel ab. Anders als erhofft, reichen die Neueinstellungen sowie die Umsetzungen aus den östlichen Bezirken nicht aus, um alle Lücken zu füllen. Insbesondere in den Grundschulen der Westbezirke fehlen Lehrer. Eine Umfrage der Vereinigung der GEW- Schulleiter hat jetzt ergeben, dass noch 175 Stellen offen sind. Nach Informationen des Tagesspiegels hat Bildungssenator Klaus Böger (SPD) im Senat versucht, 50 zusätzliche Stellen bewilligt zu bekommen. Dem Vernehmen nach hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) dieses Anliegen abgeschlagen. Senatskanzlei und Schulverwaltung wollten diesen Vorgang nicht bestätigen.

Angesichts von rund 350 000 Schülern lässt sich der Bedarf nicht auf die Stelle genau vorab berechnen. In früheren Jahren brachte dies nicht so große Probleme mit sich, weil es immer eine relativ große Personalreserve gab, mit der man Schwankungen bei der Schülerzahl ausgleichen konnte. Diese Reserve ist aber infolge des rigiden Sparkurses inzwischen verbraucht, so dass Neueinstellungen nötig sind, sobald mehr Schüler als erwartet auftauchen oder sobald unerwartet viele Lehrer dauerhaft erkranken.

Laut GEW fehlen allein in Neukölln zurzeit 51 Lehrer, in Tempelhof-Schöneberg und Mitte je 31, in Reinickendorf 32 und in Charlottenburg-Wilmersdorf 30. Insgesamt sind dies 175 Lehrer. Da neu eingestellte Kräfte zunächst nur Zweidrittelstellen bekommen, wären sogar 258 Einstellungen nötig.

Angesichts dieses Mangels können die betroffenen Schulen noch immer keine abschließende Planung für das kommende Schuljahr machen. Zudem ärgert es sie, dass sie noch vor wenigen Monaten gezwungen waren, gut ausgebildete Referendare gehen lassen, die dann in andere Bundesländer auswichen. Falls sie jetzt wirklich noch Lehrer bekommen, müssen sie nehmen, was sie kriegen – ohne die Chance einer Auswahl. „Die Guten sind längst weg“, sagte gestern Erhard Laube, der Vorsitzende der GEW-Schulleitervereinigung. Schon vor sechs Wochen hatte die GEW vor der jetzigen Notlage gewarnt.

Die Senatsverwaltung für Bildung nannte die Angaben der GEW gestern „irreführend“. Sie könnten „nur von Quellen stammen, die keinen Gesamtüberblick haben“, meinte Sprecher Kenneth Frisse. Im Übrigen arbeite die Schulaufsicht unter Hochdruck an der Einrichtung des neuen Schuljahres, insbesondere an der Umsetzung von Lehrkräften.

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