Berlin : Gewalt am 1. Mai: Die Ungeliebten: Selbst mit Autonomen haben die Veranstalter Ärger

Frank Jansen

Sie gibt sich militant und unbeugsam, ist aber in der linken Szene umstritten: Das Verhalten der "Antifaschistischen Aktion Berlin (AAB)" hat heftige Debatten provoziert, die bisweilen sogar zu handgreiflichen Auseinandersetzungen eskalieren. So attackierten Szene-Frauen, mit Knüppeln bewaffnet, 1999 eine Vollversammlung der AAB. Im Juli desselben Jahres stürmten eine Gruppe "Schlagt-die-Sexisten-wo-ihr-sie-trefft-GmbH" in die Friedrichshainer Kneipe "Schnarup Thumby", warf Flugblätter und feuerte "Schüsse mit CS- und Pfeffergas" ab - allerdings auf den Fußboden, wie in der Autonomen-Publikation "Interim" zu lesen war.

Anlass für die Angriffe war Empörung über das Verhalten der AAB, nachdem eine Frau über die Vergewaltigung durch einen AAB-Mann berichtet hatte. Die Gruppe inszenierte erst eine Art Tribunal, anstatt den mutmaßlichen Vergewaltiger sofort hinauszuwerfen, wie nicht nur autonome Frauen gefordert hatten.

Zum Thema Online Spezial: 1.-Mai-Demo in Berlin Der Streit erschütterte die linke Szene über Berlin hinaus, von der Dachorganisation "Antifaschistische Aktion/Bundesorganisation (AABO)" spalteten sich Gruppen ab. Laut Bundesamt für Verfassungsschutz befindet sich die AA/BO "in einer deutlichen Schwächephase". Nach Informationen des Tagesspiegels hat sich die Dachorganisation sogar am letzten Wochenende aufgelöst. Trotzdem zählt der 1993 gegründete Berliner Ableger weiterhin etwa 70 Mitglieder. Und die Mobilisierung für die von Werthebach verbotene "Revolutionäre 1. Mai-Demonstration" ist unvermindert im Gange. Das Verbot dürfte die AAB kaum stören, da sie theoretisch mit dem Anmelder der Demonstration gar nicht identisch sein kann - "Hartmut Dampf" ist laut Polizei eine Phantomfigur.

Für die Krawalle bei allen 1. Mai-Demonstrationen seit 1996 machen die Behörden die AAB mit verantwortlich. Wie die Gruppe denkt, wird in einem Internet-Text von Anfang April deutlich, den die Polizei in ihrer Verbotsverfügung nennt. Zitat: "Im Kampf gegen Gewalt offenbart die Zivilgesellschaft - Hoffnungsträgerin und Spielwiese sozial- und bürgerrechtsbewegter Demokratiefanatiker zugleich - ihre totalitären Züge."

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