Berlin : Gewalt an Schulen steigt – Mitte überholte Neukölln

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Beleidigungen, Drohungen, Schlägereien. Der momentane Eindruck sagt: Neukölln ist der Bezirk der Jugendgewalt, an den Schulen wie auf den Straßen. Die Zahlen der Senatsbildungsverwaltung besagen zum einen, dass die Gewalt an Schulen im vergangenen Schuljahr deutlich zugenommen hat. Aber Neukölln ist in dieser Hinsicht nicht mehr führend. Der Bezirk Mitte verzeichnete einen erstaunlich hohen Anstieg – er hat Neukölln überholt. Außerdem gibt es Probleme in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf, die in den Statistiken deswegen nicht so sehr auffallen, weil es dort weniger Schüler gibt als zum Beispiel in Mitte und Neukölln.

Zwar stellt die Polizei seit 1998 einen Rückgang der Jugendgewalt im öffentlichen Raum fest, doch der Trend scheint nicht für öffentliche Schulen zu gelten: Insgesamt 894 Fälle von Gewalt wurden dort gemeldet, im Jahr zuvor waren es 560. In zwei von drei Fällen zeigten Schüler oder Lehrer eine Körperverletzung oder eine schwere Körperverletzung an: Würgegriffe, Schläge, Messerstiche. In extremen Fällen waren die Folgen Gehirnerschütterungen oder Fleischwunden. Zudem werden Drohungen der Art „Wenn ich dich sehe, stech ich dich ab“ häufiger: 159 Fälle. Im Jahr zuvor waren es 97. Lehrer sind vor all dem nicht gefeit. In einem von vier Fällen waren Pädagogen die Opfer; die Zahl der Übergriffe ist von 156 auf 196 gestiegen.

Schulpsychologen und Polizei führen den rasanten Anstieg der Fallzahlen vor allem darauf zurück, dass immer häufiger gemeldet wird, was täglich an Berliner Schulen passiert. Die Zahlen bedeuteten nicht unbedingt, dass es mehr Gewalt gebe, sagt etwa Aida Lorenz, Schulpsychologin in Mitte. „Allerdings ändert sich die Qualität. Es wird härter. Bei Prügeleien wird schon mal nachgetreten, wenn der Gegner am Boden liegt.“ Die Senatsbildungsverwaltung interpretiert ihre Daten so: Gerade die auffallend hohe Zunahme im Bezirk Mitte sei das Ergebnis gezielter Bemühungen. Die Schulaufsicht gehe offensiver mit dem Thema Gewalt um. Die Folge seien mehr Meldungen – und eine geringere Dunkelziffer. Wie hoch die ist, wagt niemand zu schätzen. Ein Fachmann der Polizei für Jugendgewalt sagt nur: Aus Scham würden viele Schüler verschweigen, dass sie Opfer von Schulgewalt geworden sind. mne

http://www.senbjs.berlin.de/schule/gewaltpraevention/verstehenundhandeln_7.pdf

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