Gewalt in Bussen und Bahnen : BVG will wieder Streifen mit der Polizei

Berlins Nahverkehr soll sicherer werden. Das geplante Programm mit Langzeitarbeitslosen ist dabei nur als Ergänzung zum Gesamtkonzept vorgesehen.

Jörn Hasselmann,Klaus Kurpjuweit

Die BVG hat gestern nach der Gewaltserie im Nahverkehr am Wochenende gefordert, wieder gemeinsame Streifen von Polizei und BVG-Mitarbeitern einzusetzen. Bei der Polizei hieß es dagegen, dass erst einmal die BVG Personal stellen müsse. Der Verkehrsbetrieb will, wie berichtet, bis zu tausend Langzeitarbeitslose im „Präsenzbereich“ beschäftigen, die aus Mitteln des Bundes und der EU finanziert werden sollen. Die Verhandlungen laufen noch.

Grundsätzlich sei man zu gemeinsamen Streifen bereit, wenn dies sinnvoll sei, hieß es gestern bei der Polizei. Polizeipräsident Dieter Glietsch betonte, dass die Beamten im vergangenen Jahr 44 000 Stunden bei der BVG tätig gewesen seien. Bei diesen Einsätzen seien 621 Personen festgenommen worden. Alleine 561 Festnahmen erfolgten durch zivile Drogenfahnder – die den Fahrgästen kein Sicherheitsgefühl vermitteln.

Die Gewerkschaft der Polizei forderte gestern, zusätzlich Mitarbeiter bei der Polizei einzustellen, um Streifen bei der BVG besetzen zu können. Bei der S-Bahn übernimmt dies die Bundespolizei.

Die „gemischten Streifen“ waren 2003 eingestellt worden. Die Polizei hatte das damals damit begründet, dass man kein Personal habe, um bei der BVG den Wachschutz zu übernehmen. Nach Angaben von BVG-Sprecherin Petra Reetz hatten diese Streifen auch den Vorteil gehabt, dass die BVG-Angestellten viel von den Polizisten lernen konnten.

Ein eigenes Deeskalationstraining ist von der BVG-Fahrschule entwickelt worden. Ende dieses Jahres sollen alle Busfahrer an dem Seminar teilgenommen haben, hieß es. Derzeit habe erst die Hälfte den Kurs absolviert. Einen von Experten, die früher beim Spezialeinsatzkommando der Polizei waren, gedrehten Film für das Training von Busfahrern sei der BVG dagegen zu teuer gewesen, sagte gestern einer der Filmemacher. Der Streifen hätte rund 100 000 Euro kosten sollen.

Der CDU-Politiker Frank Henkel sagte gestern, dass „der Schutz von Personal und Fahrgästen nicht an den Kosten scheitern dürfe“. Henkel warf dem Senat vor, zu lange die Videoüberwachung verhindert zu haben. Der Fraktionschef der Grünen, Volker Ratzmann, betonte dagegen, dass „die Videoüberwachung die Angriffe nicht verhindern konnte“. Tatsächlich ist keine einzige Tat von einer Kamera aufgezeichnet worden. Nur von dem Unbekannten, der in einem Waggon der U 9 einen couragierten Fahrgast durch einen Fußtritt ins Gesicht schwer verletzt hatte, gibt es Bilder von Bahnsteig-Kameras, nicht jedoch von der Tat selbst. Nur 320 von 1278 Wagen bei der U-Bahn haben bisher Kameras.

Durch die Kameras in den Stationen konnte mittlerweile geklärt werden, an welcher Station der Täter zugestiegen war. Ob sie zur Fahndung veröffentlicht werden, stehe noch nicht fest, sagte der Chef der ermittelnden Mordkommission, Bernhard Jaß. Zudem hat die Polizei, wie berichtet, den Waggon zur Spurensicherung beschlagnahmt.

Der verletzte Fahrgast hat mittlerweile die Klinik verlassen. Gegen die Frau, die auf dem S-Bahnhof Frankfurter Allee einen dunkelhäutigen Mann aufs Gleis gestoßen hat, erließ ein Richter Haftbefehl.

In den vergangenen Tagen hat sich die Zahl der Attacken auf Mitarbeiter im Nahverkehr gehäuft. 2007 war die Zahl bei der BVG noch gesunken – von 612 auf 554. Die Zahl der schweren Fälle ging deutlicher zurück: von 203 auf 138. Als schwer gilt bei der BVG ein Ausfall des Mitarbeiters von mehr als drei Tagen.

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