Berlin : Gewalt kann man vorbeugen – Berliner Präventionspreis 2009

Ferda Ataman

Es ist niedlich anzusehen: Fünf kleine Kinder tollen an einem Miniklettergerüst herum, verharren und strecken die Arme in die Höhe – das Publikum im Rathaus Schöneberg applaudiert. Doch was sie hier sehen, ist keine Schulaufführung, sondern Teil der Präventionsarbeit des „Zirkus Cabuwazi“ in Marzahn, ein gemeinsames Projekt mit Kitas vor Ort. Vier- bis Sechsjährige aus sozial schwachen Familien kommen im Kinderzirkus zusammen und lernen nicht nur Kunststücke, sondern werden pädagogisch betreut und sollen Selbstbewusstsein auf der Bühne entwickeln. Dafür erreichte Cabuwazi am Dienstag den zweiten Platz beim Berliner Präventionspreis 2009.

Je früher man verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche davon abhält, kriminell und gewalttätig zu werden, desto besser – nach diesem Motto richtete die Landeskommission „Berlin gegen Gewalt“ zum 10. Mal einen Präventionstag aus, an dem gleich sechs Preisträger geehrt wurden. Den ersten Platz belegte die Paul-Braune-Schule aus Steglitz. Gemeinsam mit der Polizei, dem Jugendamt, freien Jugendhilfeträgern und Schulpsychologen hat die Schule wirksame neue Ansätze ausprobiert: Antigewalttrainings, spezielle Sportveranstaltungen, therapeutische Angebote und vieles mehr gehören hier zum Schulalltag. Offenbar mit Erfolg: Die Schule zählt weniger Gewaltvorfälle als früher.

Den dritten Platz machte der Berliner Wohlfahrtsverband Volkssolidarität mit seinem Projekt „Beratung für Männer – gegen Gewalt“. In halbjährigen Trainingskursen lernen Männer, Schläge gegen ihre Frau nicht als „Ausrutscher“ zu verstehen, sondern die Verantwortung zu tragen und gewaltfrei klarzukommen.

Hinzu kommen drei Sonderpreise: Geehrt wurden die neue „Muslimische Telefonseelsorge“, bei der seit Mai 2009 rund 800 Notrufe eingingen, das Projekt „Denkzeit-Training für aggressiv-auffällige Schüler“ sowie die Herman-Nohl-Schule aus Neukölln mit ihrem Schüler-Filmprojekt. Auffallend ist, dass alle Preisträger-Projekte zwei Dinge teilen: Sie arbeiten mit zahlreichen Kooperationspartnern und nicht allein. Und sie alle haben Schwierigkeiten, sich zu finanzieren. Ferda Ataman

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