Gewalt : Kladower Nächte sind lang

Prügel am See und zertrümmerte BVG-Häuschen: Die Polizei blickt besorgt in den Spandauer Süden.

Rainer W. During

BerlinMeist fängt es in Kladow ganz harmlos an: Die Jugendlichen – mal sind es 15, mal 30 – treffen sich am Dorfplatz oder an der Badewiese des Groß-Glienicker Sees, um ein wenig Spaß zu haben. "Doch da wird gesoffen, was das Zeug hält", sagt Iris Tappendorf, die bei der Polizeidirektion 2 für Jugendgruppengewalt zuständig ist. Und umso länger das Treffen dauert, desto aggressiver wird die Gruppe.

Das Ergebnis kann man dann im Protokoll der Spandauer Polizei nachlesen: Rund 30 betrunkene Jugendliche randalierten beispielsweise Pfingsten an der Kladower Uferpromenade. Wie berichtet, bedrängten sie auch die Sanitäter eines Rettungswagens, die einen durch Schläge verletzten Mann verarzten wollten. Noch immer ist die Kripo dabei, die Hintergründe zu klären. 

Domäne der Besserverdiener

Der Tumult war kein Einzelfall – immer wieder kommt es im Spandauer Süden zu Gewalttaten. Dabei gilt der Ortsteil eigentlich als Domäne der Besserverdiener. Als Kriminalitätsschwerpunkte gelten vor allem die Gegend rund um die Altstadt, die Wilhelmstadt oder die Heerstraße-Nord. Nach Angaben der Polizei ist es auch keine feste Jugendbande, die in Kladow immer wieder Ärger bereitet. Dafür aber eine Handvoll besonders auffälliger Jugendlicher. Um sie schart sich laut Iris Tappendorf eine lose Gruppe von 20 bis 30 weiteren Jugendlichen.

Wenn die Cliquen an den Wochenenden frühmorgens alkoholisiert aus den Clubs der Innenstadt in den Spandauer Süden heimkehren und an der Heerstraße umsteigen, gehen oft die Scheiben der BVG-Wartehäuschen zu Bruch. Und nur ein paar Tage dauerte es, bis nach der Feier am neuen Kladower Hafen randaliert wurde.

Man regelt die Dinge unter sich

Vor Jahresfrist mussten drei Dutzend Polizeibeamte zehn Jugendliche zur Raison bringen, die in der Kantine des Pflegezentrums am Lanzendorfer Weg Mobiliar zertrümmerten sowie Gäste mit Stühlen und Messern attackierten. Einige der damals festgenommenen Täter, die sich gewaltsam Zutritt zur Geburtstagsfeier einer 16-Jährigen verschaffen wollten, mischten auch Pfingsten bei der Auseinandersetzung am Ufer des Groß-Glienicker-Sees mit. Dass meist mehrere Wochen zwischen den Fällen vergehen, in denen die Polizei gerufen wird, führt die Kriminalistin vor allem auf die hohe Dunkelziffer zurück. In Kladow, wo man sich kennt, wird oft auf eine Anzeige verzichtet. Man regelt die Dinge eher unter sich.

Doch das gelingt nicht immer. So sollen demnächst auch im Spandauer Süden Streetworker den Kontakt zu den Jugendlichen suchen, sagt der Leiter des Spandauer Jugendamtes, Gerd Mager. Dass es in Kladow weniger angezeigte Fälle von Raub, Körperverletzung und Sachbeschädigung gebe als in anderen Teilen des Bezirks, bedeute nicht, "dass wir nicht auch dort etwas tun müssen und werden". Schließlich könne die Gewalt auch hier "heftig eskalieren". Gegenwärtig wird an einem Konzept gearbeitet. Die neuen Streetworker will Mager flexibel einsetzen – in der Altstadt, Siemensstadt oder eben in Kladow.

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