Gewaltexzess am Alexanderplatz : Abschied von Jonny K.

23.10.2012 08:57 Uhrvon , und
In der Gemeinde des Opfers liegt ein Kondolenzbuch aus. Foto: Claus-Dieter Steyer
In der Gemeinde des Opfers liegt ein Kondolenzbuch aus. - Foto: Claus-Dieter Steyer

Am Sonntag wird nach buddhistischer Tradition eine Trauerfeier für Jonny K., das Todesopfer vom Alexanderplatz, begangen - auch mit einer öffentlichen Zeremonie. Einer der Täter soll sich in die Türkei abgesetzt haben. Wichtig könnte werden, ob er die deutsche oder die türkische Staatsangehörigkeit besitzt.

Es wird eine öffentliche Trauerfeier für Jonny K. geben

Die Mahnung des Bundespräsidenten, bei solchen Fällen wie dem Gewaltexzess am Alex „einzuschreiten“, will die Polizei aber nicht als Aufruf zum körperlichen Einsatz verstanden wissen. Die Polizei sagte dazu, dass sich Zeugen nie selbst in Gefahr bringen sollten. Helfen könne aber jeder, indem er die Polizei alarmiert, sich das Aussehen oder auch den Fluchtweg der Täter merkt. „In manchen Situationen kann es auch helfen, das Opfer direkt anzusprechen und ihm Hilfe anzubieten“, sagte ein Polizeisprecher. Sinnvoll sei zudem, schon zu Beginn einer sich anbahnenden Gefahrensituation die Polizei zu rufen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zweifelt am Sinn einer verstärkten Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen. Nach der tödlichen Prügelattacke war eine Sicherheitsdebatte entbrannt. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte gefordert, an gewaltträchtigen Orten mehr Kameras zur Überwachung einzusetzen. Mehr Kameras seien kein Allheilmittel, um die Gewalt an öffentlichen Plätzen zu bekämpfen, erklärte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Bernhard Witthaut, am Montag. Zwar erleichterten die Aufzeichnungen die Fahndung. Wie stark sie allerdings der Abschreckung dienten, sei zweifelhaft. Wichtiger sei eine Verstärkung der Polizeipräsenz.

Die Trauerfeier für K. wird am kommenden Sonntag stattfinden. „Zunächst im engsten Familienkreis und ab 15 Uhr dann auch öffentlich“, sagt seine Schwester Tina K. Das Gedenken wird am Fürstenbrunner Weg 10-12 in Westend abgehalten. Bei der öffentlichen Zeremonie würden Freunde und Verwandte „etwas zu Jonny und seinem Leben erzählen“, sagt die Schwester. Zudem planen die Angehörigen eine „große Abschiedsparty am Abend, da dies bei uns Buddhisten so üblich ist“, sagt Tina K. Die Einzelheiten müssten noch geklärt werden. Die Leiche des Bruders werde später eingeäschert und die Urne dann beigesetzt – in aller Stille.

Einer der Täter soll sich inzwischen in die Türkei abgesetzt haben. Ob er die deutsche oder die türkische Staatsbürgerschaft besitzt – oder gar beide – blieb gestern unklar. Dies hätte Auswirkungen auf ein späteres Gerichtsverfahren: Ist der Verdächtige Deutscher, muss die Türkei ihn ausliefern. Wenn er Türke ist, wird ihm in seiner Heimat der Prozess gemacht. Schwierig sei es, wenn jemand beide Staatsangehörigkeiten besitzt, sagte ein Ermittler. Allerdings reichen die Ermittlungsergebnisse bislang nicht für einen Haftbefehl bei dem einen namentlich bekannten Verdächtigen. Den Tipp haben die Fahnder von einem Zeugen. Am Sonnabend war von dieser „heißen Spur“ berichtet worden, seitdem sind bei der Polizei kaum noch neue Hinweise eingegangen. So heiß sei die Spur aber nicht, hieß es gestern. Dringend werden Zeugen gesucht unter Telefon 4664 911 101. (mit dpa)

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