Berlin : Gewaltfrei lernen mit Lilly und Mo

Polizei entwickelt Spiel für Schulklassen zu Alltags- und Verkehrssituationen

Tanja Buntrock

Lilly trägt Zöpfe und sieht in ihrem Rock mit Ringelstrumpfhose genauso frech aus wie Pippi Langstrumpf. Mo, ihr kleiner Bruder, steckt in einem schlabbrigen Kapuzenpulli und Turnschuhen. Beide sind Comic-Figuren mit Kulleraugen im typischen Manga-Stil und die Hauptdarsteller in einem neuen Präventionsspiel der Polizei: „Einfach und sicher durch den Tag“ heißt das Mitmach-Spiel für Grundschüler der 5. und 6. Klasse. Thema: Kriminalitätsvorbeugung und Verkehrserziehung.

Das Spiel hat sich Polizeioberkommissar Andreas Berger mit Kollegen ausgedacht. Er arbeitet im Abschnitt 15 in Prenzlauer Berg als Präventionsbeauftragter. Eine Grundschulklasse aus Prenzlauer Berg hat das Spiel vergangene Woche schon einmal ausprobiert. „Die waren begeistert und haben lautstark mitgespielt. Das ist gewollt: „Die Kinder sollen eintauchen in das Spiel“, sagt Berger.

Die Spielfläche für das eineinhalbstündige Rollenspiel ist ein 1,30 x 1,30 Meter großes Brett mit Comicbildern. Lilly und Mo werden von den Schülern den ganzen Tag begleitet: Auf dem Schulweg, in der Schule, in der Freizeit und wieder daheim, wenn sie mit den Eltern Abendbrot essen. Und es passiert so einiges: Beleidigungen im Hausflur, Bedrohungen im Bus, Mobbing auf dem Schulhof und jemand, der das Handy „abziehen“ will. All dies wird durch die sogenannten Ereigniskarten, auf denen die Comicfiguren in verschiedenen Lebenssituationen zu sehen sind, dargestellt: „Die Kinder spielen die Szenen auf den Kärtchen nach und sollen mit dem Polizisten überlegen, wie man die Situation meistern könnte – und zwar gewaltfrei“, erklärt Berger.

Beleidigungen von anderen Kindern gehören für viele Schüler zum Alltag. Doch wie geht man damit um? „Wenn du mir ein Geschenk gibst, und ich nehme es nicht an, wem gehört das Geschenk dann?“, fragt ein Polizist im Spiel einen Schüler. „Na, mir!“, antwortet der Schüler. Und genauso sei es mit einer Beleidigung, sagt der Polizist. „Wenn ich Dich beleidige, und Du nimmst die Beleidigung nicht an, dann bleibt sie bei mir.“

Im zweiten Teil des Spiels wird der Tagesablauf von Lilly und Mo geändert: Der Bus fällt aus – die beiden müssen das Rad nehmen. Wie sieht ein verkehrssicheres Rad aus? Was bedeuten die Verkehrsschilder auf den Spielkärtchen und welche sind Fantasie-Bilder, die es gar nicht gibt?

Bergers Idee wurde dank einer Spende der Volker-Reitz-Stiftung, die zur Polizeigewerkschaft gehört, vervielfältigt. Nun haben die Beamten aller Polizeidirektionen die Möglichkeit, mit der Lilly-und- Mo-Spieletasche in die Klassen zu gehen.

Zu Papier gebracht haben Lilly und Mo zwei bekannte Berliner Grafiker. Daniel Gramsch (31) und Guido Neukamm (43) zeichnen unter anderem für das Magazin „Mad“. Auf einer Comic-Messe seien „zwei Männer in Grün“ auf sie zugekommen und hätten gefragt, ob sie nicht Lust hätten, für ein Kinderspiel die Figuren zu zeichnen. Ein paar Wochen später waren Lilly und Mo geboren.

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