Berlin : Gewalttäter bleibt nach Haft in Haft Zwei Prozesse um Sicherungsverwahrung

Kerstin Gehrke

Verhängte Strafen beeindruckten ihn offenbar wenig. Selcuk O. habe sich weiterhin wie ein „Herrscher“ in Kreuzberg aufgeführt, befand gestern das Landgericht. Der 32-Jährige habe beleidigt, geschlagen und schließlich ohne Anlass auf einen 47-jährigen Passanten geschossen. Die Allgemeinheit sei zu schützen, hieß es. Die Richter verhängten sieben Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung (SV).

Vor etwa sechs Jahren war O. erstmals als Gewalttäter aufgefallen. Ein Verfahren wurde eingestellt, ein anderes endete mit einer Geldstrafe. Im Frühjahr 2005 wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt. Er sollte sich nach dem damaligen Urteil um sein Alkoholproblem kümmern, habe das aber nicht eingesehen, sagte die Richterin. Im Zusammenhang mit Alkohol aber sei O. hochgradig gefährlich.

Völlig grundlos soll O. im Mai nach einer Zechtour drei Männer angegriffen haben. Ein Passant erlitt durch Faustschläge Prellungen. Einen Imbissbesitzer soll er bedroht und in der Oranienstraße auf einen Griechen geschossen haben. Drei Kugeln trafen. Der Mann musste notoperiert werden. Der Angeklagte sei offenbar auch noch stolz darauf, „andere Menschen schlecht zu behandeln“, hieß es im Urteil. O. wurde der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen.

In einem anderen Fall prüft das Landgericht, ob gegen einen zur Tatzeit 17-jährigen Mörder nachträgliche SV in Betracht kommt. Der heute 32-Jährige hatte das Opfer eines Raubüberfalls mit einem Kopfschuss getötet und war 1995 zu zehn Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Als Freigänger beging er erneut einen Raub. Dafür bekam er 2001 weitere vier Jahre Haft. Nach bisheriger Einschätzung der Richter ist aber kaum mit nachträglicher SV zu rechnen. Diese hätte bereits 2001 erörtert werden können, argumentierten sie. Die Entscheidung wird am Donnerstag erwartet. Kerstin Gehrke

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