• Gewalttaten in Brandenburg aufgeklärt: Neonazis verabredeten sich über Whatsapp zu Anschlägen

Gewalttaten in Brandenburg aufgeklärt : Neonazis verabredeten sich über Whatsapp zu Anschlägen

Mehrere Anschläge im brandenburgischen Havelland sollen auf das Konto einer Neonazi-Zelle um einen NPD-Mann gehen. Das teilten Polizei und Justiz mit.

von und René Garzke ,Hardy Krüger, Christine Fratzke
Im August 2015 abgebrannt: Die Sporthalle in Nauen sollte eine Unterkunft für Flüchtlinge werden.
Im August 2015 abgebrannt: Die Sporthalle in Nauen sollte eine Unterkunft für Flüchtlinge werden.Foto: Julian Stähle/dpa

Schlag gegen eine Neonazi-Zelle in brandenburgischen Nauen: Ermittler haben eine Reihe von Anschlägen im Havelland aufgeklärt, darunter den auf eine geplante Asylunterkunft in Nauen. Verantwortlich soll eine Gruppe um den NPD-Politiker Maik Schneider (29) sein. Zu der Gruppe sollen insgesamt sechs Neonazis gehören.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft Potsdam und der Polizeidirektion West wurde die Öffentlichkeit über die bisherigen Erkenntnisse informiert. Brandenburgs Justizminister Helmuth Markov (Linke) betonte, dass sich die Ermittler sicher sind, dass die Straftaten-Serie in Nauen rechtsextremistisch motiviert sei. Außer dem Brand in der geplanten Flüchtlingsunterkunft gab immer wieder Übergriffe auf Linke-Politiker. Außerdem wurden Flugblätter verteilt, die zum Bombenbau gegen Flüchtlinge aufriefen und Autos angezündet.

"Wir werden sie kriegen"

"Wir werden sie kriegen, wir werden es ihnen nachweisen, wir werden sie verurteilen", so Markov. Es sei nicht einfach, diese Anschläge aufzuklären, da diese in der Dunkelheit und oftmals ohne Zeugen stattfanden. Aber Markov verspricht, dass die Fälle aufgeklärt werden. Der Justizminister zeigte sich dankbar gegenüber der Polizei und Staatsanwaltschaft. Generell lobten sich die Ermittler für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit in den vergangenen Monaten.

Mehrere Durchsuchungen in Brandenburg

In den vergangenen Wochen gab es mehrere Durchsuchungen in Nauen und Potsdam, es habe sich dann ein Puzzle zusammengesetzt. Außerdem gab es zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung. "Im Oktober, November, ist uns ein dicker Fisch ins Netz gegangen", sagte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Und da sei noch mehr im Netz. "Das ist noch längst nicht alles", so Mörke weiter. "Wir werden weiter intensiv ermitteln." Die Ermittler wissen allerdings noch nicht zu 100 Prozent, wie viele Mitglieder die Neonazi-Zelle hat. Es könnten fünf Personen sein - oder mehr oder weniger. Die Ermittler werden das zukünftig weiter prüfen.

Dennis W. war auf der Flucht

In dieser Woche wurde NPD-Politiker Schneider festgenommen, er sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft. Bei der 22-jährigen Frauke K., sie könnte auch Mitglied der Gruppe sein, wurde der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt. Ein weiteres mutmaßliches Mitglied, Dennis W., war in den vergangenen Tagen noch auf der Flucht. Wie die Ermittler auf der Pressekonferenz mitteilten, wurde der 28-Jährige am Freitagmorgen in einer Nauener Wohnung um 10.35 Uhr aufgegriffen.

Die Ermittler sind sich sicher, dass Maik Schneider der Kopf oder einer der Köpfe der Zelle sei. Die Gruppe kommunizierte mit dem Kurznachrichtendienst Whatsapp, in einer Whatsapp-Gruppe sollen sich die Verdächtigen zu Gewalttaten verabredet haben. Laut Polizeipräsident Mörke gab es nun Hinweise darauf, dass die Gruppe auch einen Anschlag auf die neue Asylunterkunft, die in Nauen entstehen soll, geplant habe. 

Die Ermittlungen werden weitergeführt. Auch steht weiterhin die Frage im Raum, ob die Zelle als terroristisch eingestuft werden kann.

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