Berlin : Gewerkschaft besteht auf der sechsjährigen Grundschule

thm

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die SPD-CDU-Landesregierung vor "Schnellschüssen" und einer "Verneblungstaktik" in der brandenburgischen Bildungspolitik gewarnt. GEW-Landeschef Gunter Fuchs forderte von SPD-Schulminister Steffen Reiche vor allem Klarheit über die Zukunft der sechsjährigen Grundschule.

Wie berichtet, war auf Druck der CDU im Koalitionsvertrag eine Klausel verankert worden, wonach ähnlich wie in Berlin auf Wunsch von Eltern ausnahmsweise auch ein Übergang nach der 4. Klasse von der Grundschule auf die Gymnasien gestattet werden soll. Diese Forderung stellen vor allem Berliner Zuzügler im Speckgürtel. "Das Berliner Modell ist aber auf ein Flächenland wie Brandenburg nicht übertragbar", sagte Fuchs, der vor einem "Zwei-Klassen-Schulsystem" in Brandenburg warnte. In den berlinfernen Regionen, in denen durch demographische Entwicklungen die Schülerzahlen ohnehin dramatisch zurückgingen, würde dies nach Ansicht von Fuchs zwangsläufig zu Grundschul-Schließungen und langen Schulwegen führen.

SPD-Schulminister Steffen Reiche betont bislang, dass an einen Abschied von der sechsjährigen Grundschule generell nicht gedacht sei. Sie existiert nur noch in Brandenburg und in Berlin, alllerdings mit Ausnahmeklauseln für einen früheren Wechsel. Dennoch wäre aus Sicht der GEW bereits bei Ausnahmegenehmigungen für einen Übergang nach der 4. Klasse die Chancengleichheit im Brandenburer Schulwesen nicht mehr gewährleistet. Sie drohte einen massiven Widerstand an, falls sich ihre Befürchtungen bestätigen sollten. Man werde über wirksame Kampagnen nachdenken, sagte Fuchs. Er schloss nicht aus, dass es dann möglicherweise auch eine Volksinitiative für die Erhaltung der sechsjährigen Grundschule geben könnte. Es gehe schließlich um eine für das märkische Schulsystem "fundamentale Frage."

Ehe die Landesregierung in Schnellschüssen die Schulstruktur umkremple, so die GEW-Forderung, sollten der Unterrichtsausfall im Land vermindert und mehr Mittel für die Ausstattung der Schulen bereitgestellt werden. Die jüngste Verordnung Reiches, nach der 10. Klasse verbindliche Abschlußarbeiten einzuführen, hält die GEW dagegen grundsätzlich für richtig. Allerdings sei es dafür notwendig, dass es so schnell wie möglich vergleichbare reguläre Rahmenlehrpläne gibt. In Brandenburg wird derzeit noch zumeist nach provisorischen, unmittelbar nach der Wende entwickelten Lehrplänen unterrichtet.

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