Berlin : Gewerkschaft will keineLehrer aus Brandenburg

Susanne Vieth-Entus

Berlin will bis 2008 insgesamt 225 überzählige Lehrer aus Brandenburg übernehmen. Diese Ankündigung des Senats wurde gestern von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert. „Berlin hat noch 2000 eigene Bewerber auf den Listen. Brandenburger sollten nur dann genommen werden, wenn es für die entsprechenden Fächer keine Berliner Lehrer gibt“, forderte ein Mitglied des GEW-Vorstands. Doch daraus wird wohl nichts.

Bei „mindestens gleichwertiger Eignung“ muss der Brandenburger Bewerber dem Berliner vorgezogen werden, erläutert Bildungs-Staatssekretär Thomas Härtel (SPD) die Vereinbarung mit Potsdam. Wenn Berlin es nicht schaffe, die 225 Lehrer zu übernehmen, seien 2008 Ausgleichszahlungen an Brandenburg fällig. Im Gegenzug habe sich das Nachbarland verpflichtet, statt 5,1 künftig zehn Millionen Euro als Gegenleistung dafür zu zahlen, dass rund 8000 Brandenburger Kinder in Berlin zur Schule gehen.

Für die GEW gleicht diese Vereinbarung einem „Kuhhandel“. Warum sich Berlin darauf einlasse, sei völlig unverständlich. Nach Ansicht der Gewerkschaft seien zehn Millionen Euro keine hohe Summe für derart viele Schüler.

Wie berichtet, kostet ein Schüler in Berlin je nach Schultyp 6000 bis 18 000 Euro pro Jahr. Brandenburg zahlt aber nur rund 1100 Euro. Zum Vergleich: Schleswig-Holstein überweist im Schnitt 2000 Euro pro Landeskind, das in Hamburg zur Schule geht. Angesichts dieser Relation versteht die GEW nicht, warum Berlin dann auch noch bereit ist, Brandenburger Lehrer zu übernehmen.

Die Bildungsverwaltung wies gestern darauf hin, dass etliche Brandenburger Lehrer ursprünglich in Berlin ausgebildet wurden und nur deshalb ins Nachbarland abwanderten, weil es in Berlin keine freien Stellen gab. Es sei gerechtfertigt, sie wieder zurückzuholen. In Brandenburg sind so viele Lehrer wegen des Schülerrückgangs überflüssig geworden, dass Tausende zur „Zwangsteilzeit“ verpflichtet wurden.

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