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Gewitter in Berlin : Mehr als 400 Feuerwehreinsätze – und es regnet schon wieder

Bei dem Unwetter am Sonnabend regnete es vor allem in den nördlichen Stadtteilen enorm. Und der Sonntagmorgen bringt neue Gewitter.

Berlin, Regen, Regenschirm.
Berlin, Regen, Regenschirm.Foto: Jens Kalaene/dpa

Diese Dusche war kalt und heftig: Die Unwetterfront, die am Sonnabend über Berlin und Brandenburg zog, hat viele Ausflügler überrascht und den Verkehr massiv behindert – sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene. Und in Tegel starteten Flüge mit stundenlanger Verspätung. Die Gewitterlinie war just während der Parade zum Christopher Street Day von Südwesten her herangezogen. Zehntausende Feiernde wurden nass – und kalt, denn die Temperatur sank von knapp 30 auf kaum noch 20 Grad. Am Sonntagvormittag gingen bereits wieder starke Gewitter über der Stadt nieder, der Deutsche Wetterdienst warnte vor Starkregen und heftigen Windböen, mancherorts sollte es auch hageln.

Am Sonnabend hatte die Feuerwehr um 15.40 Uhr Feuerwehr den Ausnahmezustand ausgelöst, weil sich die Anrufe vor allem aus den nördlichen Stadtteilen stark häuften, sodass sie nicht mehr der Reihe nach, sondern nach Dringlichkeit abgearbeitet werden mussten. Im Südosten der Stadt fing es da gerade erst an zu regnen, während im Westen und Norden bereits Bäume umgestürzt und Unterführungen überschwemmt waren. Kurzzeitig war auch die Stadtautobahn betroffen.

Bis zum späten Sonnabend gingen bei der Feuerwehr 435 Notrufe ein, die sukzessive abgearbeitet wurden – mit Unterstützung von zwölf Freiwilligen Wehren, wie ein Sprecher sagte. Der größte Einsatz war in der Nehringstraße in Charlottenburg, wo vermutlich ein Blitzschlag das Dach eines sechsgeschossigen Wohn- und Geschäftsgebäudes in Brand gesetzt hatte. Bis zu 48 Retter waren dort im Einsatz. Ernsthaft verletzt wurde niemand.

Blitze und Bäume stoppten die S-Bahn

„Vor allem die nördlichen Stadtteile waren stark betroffen", hieß es bei der Feuerwehr. "Teilweise war es noch schlimmer als bei dem Regen Ende Juni", berichtete ein Beamter. Es habe teils erhebliche Wasserschäden gegeben. Zu vollgelaufenen Kellern kamen umgestürzte Bäume. "Mehrere davon auf Autos, aber ohne Personenschäden.“ Das Fußballspiel von Union gegen die Queens Park Rangers an der Alten Försterei in Köpenick musste abgebrochen werden.

Massiv von dem Unwetter betroffen war die S-Bahn: Zwischen Pankow und Blankenburg fuhren Ersatzbusse für die S2 und S8, nachdem ein Baum aufs Gleis gefallen war. In Rahnsdorf und Reinickendorf waren Signale wegen Blitzschlägen gestört, in Hoppegarten, Zeuthen und Eichwalde aus demselben Grund die Schranken.

Das heftige Gewitter am Sonnabend verschaffte der Berliner Feuerwehr viel Arbeit. Schwer verletzt wurde glücklicherweise niemand.
Das heftige Gewitter am Sonnabend verschaffte der Berliner Feuerwehr viel Arbeit. Schwer verletzt wurde glücklicherweise niemand.Foto: dpa

Auf der Stadtbahn herrschten zeitweise chaotische Verhältnisse, weil zwischen Hauptbahnhof und Lichtenberg baubedingt keine S-Bahnen fuhren, sondern nur Ersatzbusse. Viele wichen auf die parallelen Regionalzüge aus, die völlig überfüllt und verspätet waren. Wer mit Fahrrad oder Kinderwagen einsteigen wollte, hatte praktisch keine Chance. Frank Brennecke vom Wetterdienst Meteogroup sagte am Abend, das Gewitter sei für Berliner Verhältnisse ungewöhnlich heftig gewesen: „Zunächst gab es in Tegel 42 Liter pro Quadratmater in einer Stunde. Danach, also zwischen 16 und 17 Uhr, kamen in Marzahn 50 und in Ahrensfelde 52 Liter herunter. Das sind schon tropische Verhältnisse.“ Erfahrungsgemäß gebe es ab etwa 20 Liter Regen pro Stunde Probleme, indem beispielsweise Keller volllaufen.

Dienstag und Mittwoch kann es anhaltend schütten

Außerdem überfordern derart starke Güsse die Kanalisation, die in der Innenstadt für Abwässer und Regen ein gemeinsames Netz hat. Die Folge sind „Mischwasserüberläufe“ in Spree und Landwehrkanal, die die Wasserqualität für die nächsten Tage deutlich verschlechtern dürften. Badewetter wird ohnehin kaum. Am Sonntag begannen die Gewitter dann schon am morgen, so wie von Brennecke erwartet: „Da dürfte noch nicht ganz so viel Power in der Luft sein, weil die Sonne vorher nicht so stark heizen kann.“ Der Sonntagnachmittag dürfte durchaus freundlich werden – mit nur noch sehr lokalen, weniger heftigen Güssen. „Die Luft bleibt aber noch bis Montag schwül und dampfig.“

Anschließend sei bei sinkenden Temperaturen teils anhaltender Regen möglich. Im Moment würden die größten Regenmengen in Sachsen erwartet, aber je nach der genauen Zugbahn des Tiefs könnte es auch in Berlin und Brandenburg ähnlich heftig schütten wie Ende Juni. Damals waren in vielen Stadtteilen mehr als 100 Liter pro Quadratmeter an einem Tag heruntergeprasselt, im nördlichen Umland teils das doppelte. Üblich sind knapp 600 Liter – im Jahr.

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