Berlin : Gewogen

Ulrich Zawatka-Gerlach

freut sich auf das Experiment in den Bezirken Ab und zu muss man sich auf die Wurzeln besinnen. Demokratie – was war das noch mal? Genau, die Herrschaft des einfachen Volkes. Erfunden in einem landschaftlich schön gelegenen Städtchen namens Athen. Volksversammlungen entschieden über Krieg und Frieden, Beamte wurden gewählt.

Das Beamtenwahlrecht ging im Laufe der vergangenen 2500 Jahre verloren. Was blieb, war das offenbar unstillbare Verlangen der Bürger, sich einzumischen. Mitzureden, mitzuentscheiden, ständig die Wahl haben zu wollen. Dieses lästige, aber zuweilen segensreiche Bedürfnis mündet nun in Berlin in eine Reform der Bezirksverwaltung, die es in sich hat. Bürgerentscheide, Bürgeranträge und -versammlungen: Wir werden noch sehen, was wir davon haben. Das ist ein spannendes Experiment und, Gott sei Dank, ein Projekt jenseits parteipolitischen Streits. Vielleicht lässt sich sogar noch die CDU einfangen, die den zaudernden Bedenkenträger spielt. Demokratie muss man wagen. Und nicht so lange abwägen, bis die bezirklichen Oligarchen schon alles entschieden haben.

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