Ghetto Gospel : Drei Neuköllner rappen über ihren Glauben

In ihren Videos spielen sie die Gangster-Rapper. Im wahren Leben nehmen die Musiker ihren Glauben ernst. Mit Gospel-Rap kombiniert TCM beides miteinander. Heute treten sie auf.

Lotta-Clara Löwener
Gottes Gangster. George, Malcolm und Emmanuel (v.l.) glauben an Gott. Daher rappen sie „Under his grace and under his love“ und zeigen mit beiden Händen gen Himmel.
Gottes Gangster. George, Malcolm und Emmanuel (v.l.) glauben an Gott. Daher rappen sie „Under his grace and under his love“ und...Foto: privat

Es ist dunkel auf dem Parkplatz. Die drei Gestalten wirken auf den ersten Blick nicht besonders freundlich. Einer trägt ein Bandana-Tuch um den Kopf gebunden, beim Zweiten verbirgt die Kapuze das halbe Gesicht und auch das Basecap des Dritten wirft lange Schatten. Die Szene gehört zu einem Musikvideo. Der Track beginnt, die Jungs fangen an zu rappen und spucken ihre Worte der Kamera nur so entgegen. Die Situation wirkt aufgeheizt. Doch der Text passt nicht ins Bild: „Let us be focused more on the Lord in 20-1-7“ – sie wollen, dass man sich im neuen Jahr mehr auf Gott konzentriert?

Die einzigen Gospel-Rapper Berlins

Sie sind „The Christ Messenger“ (TCM): die einzigen Gospel-Rapper Berlins. In ihren Videos treten sie in Bad-Boy-Manier und dem aufmüpfigen Gestus der Straßenkids auf, im echten Leben eher bescheiden. „Die Musik ist unsere Art, über den evangelischen Glauben zu sprechen“, sagt der 23-jährige George Holdbrook. Seine Kollegen Malcolm Nyarko, 20, und Emmanuel Nimo, 23, kennt er über ihre freikirchlichen Gemeinden, die Gospel Believers International Ministries (GBI Berlin) und die International Christian Church (ICC Berlin).

Diese stehen zwar hinter den Jungs, sie möchten aber als unabhängiges Künstlertrio angesehen werden. „Unsere Eltern sind aus Ghana nach Deutschland gekommen und haben sich die Gemeinden aufgebaut. Wir möchten ihre Arbeit mit unserer Musik weiterentwickeln“, sagt George. Ihre Kirchen, in multikulturellen Nachbarschaften Kreuzbergs und Neuköllns gelegen, sind vor allem bei Berlinern mit Migrationshintergrund beliebt. Die Texte basteln sie dann aus den Inhalten der Predigten. „Wir denken über das Gesagte nach und rappen über das, was wir dazu empfinden. Die Songs sind auf Englisch, da wir in den Kirchen mit der Sprache aufgewachsen sind“, sagt Emmanuel.

Sie sind Neuköllner und bleiben diesem Style treu

Das neueste Video zu ihrem Track „20-1-7“ haben sie abends auf einem Unigelände gedreht. Allein die Dunkelheit lässt es gefährlicher wirken. Sie wollen schließlich junge Leute ansprechen und sie dazu bringen, sich mit ihnen zu identifizieren. „Wir sind Neuköllner und bleiben diesem Style treu“, sagt Malcolm. Christen seien ja ganz normale Menschen und nicht immer gleich spießig – auch wenn sehr konservative Gläubige mit ihrem Auftreten nicht einverstanden sind. „Wir haben schon kritische Mails bekommen. Hip Hop ließe sich nicht mit dem Glauben vereinbaren.“ Für Emmanuel ist es genau umgekehrt: Hip Hop sei einfach eine Musikrichtung. „Das Image von Gewalt möchten wir umkrempeln. Wir wollen zeigen, dass es auch einen guten Weg gibt.

Gospel-Rap ist ein sehr junges Genre und der Grammy-Gewinner Lecrae eines ihrer Vorbilder. Ihre Beats samplen sie größtenteils selbst. „Bei allen Texten steht Gott im Vordergrund“, sagt Malcolm. In einer Zeile beschreibt George ihre Religion als neues Internet – er müsse aufpassen, dass die Verbindung niemals abbreche. „Auch nicht religiöse Freunde hören unsere Musik“, erzählt George. „Wir wollen zeigen, dass Gott nicht langweilig ist.“

Eine Musikkarriere? "So Gott will."

Vieles hängt jedoch vom Budget ab: Um ihre Musik während des Studiums zu finanzieren, jobben sie. Die drei Studenten streben technische Berufe an. Eine Musikkarriere können sie sich trotzdem vorstellen. „So Gott will“, sagt Malcolm. Im vergangenen Jahr haben sie an ihrem ersten Mini-Album gearbeitet, einige ihrer Tracks sind auf Youtube. Hauptsächlich treten sie aber live in Kirchen auf. Bevor es auf die Bühne geht, beten sie jedes Mal: „Danke Herr, für diese Chance“ – ihre Augen sind geschlossen, die Hände vor der Brust gefaltet. Sie nehmen ihren Glauben ernst. Das Licht geht aus, Scheinwerfer setzen die richtigen Akzente. Die drei Rapper stülpen ihre Kapuzen über und rufen dann die Textzeilen in die springende Menge.

Nächster Auftritt: 18. März, Beginn 18 Uhr, in der International Baptist Church, Rothenburgstraße 12a-13, Steglitz. Auf YouTube: Trueway Entertainment

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