Berlin : Gibt es eine Erklärung für das Töten des Säuglings?

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Ein getötetes Kind wird in einer Babyklappe abgelegt, die eingerichtet wurde, um das Leben ungewollter Kinder zu retten. Haben Sie eine Erklärung?

Das deutet auf eine Beziehungstat hin. Mütter, die ihre Säuglinge umbringen, ersticken oder ertränken sie in der Regel. Das sind Verzweiflungstaten. Wenn von ihrem schreienden Baby gestresste Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs sind, schütteln oder schlagen sie es eher. Messerstiche weisen dagegen auf eine starke Aggression hin, deren Adressat möglicherweise nicht das Kind war, sondern die Mutter. Denkbar ist, dass der Vater von der Existenz des Kindes erfährt, das vielleicht nicht einmal sein eigenes ist, und es dann im Affekt tötet. Schließlich könnte der Täter oder die Täterin im Zustand einer akuten Psychose gehandelt, im Kind die Verkörperung des Bösen gesehen haben. Dann kann so etwas wie ein innerer Befehl ergehen, der sagt, das Kind umzubringen. Dass jemand das Baby nach der Tat in die Klappe gelegt hat, deutet auf die Hoffnung hin, dass es vielleicht doch noch etwas zu retten gibt. Vielleicht war es auch ein Hilfeschrei oder zumindest der Versuch, dem Kind wenigstens zu einer würdigen Beerdigung zu verhelfen, die sonst nicht möglich gewesen wäre.

Warum werden Säuglinge getötet, obwohl es Babyklappen und die Möglichkeit zur anonymen Geburt gibt?

Die Frage ist, ob die Information über die Babyklappen werdende Mütter in Notlagen wirklich erreicht. Für ein junges Mädchen, das seine Schwangerschaft verdrängt, ist eine solche Information nicht abrufbar. Zwar gibt es zur Zeit eine groß angelegte Werbekampagne. Aber es wird aber immer Mütter geben, die trotz der zugesicherten Anonymität Angst haben, entdeckt zu werden.

Die Mutter hat ihr Kind offenbar komplikationslos zur Welt gebracht und sauber abgenabelt. Außerdem war es mit einem Strampler und einem Mützchen bekleidet. Lässt das Rückschlüsse auf die Tat zu?

Eventuell war das Kind von der Mutter gewollt und sie hat sich mit dem Kauf von Babykleidung auf die Geburt vorbereitet. Aus meiner Sicht scheint nichts darauf hinzudeuten, dass es eine Geburt nach einer verheimlichten oder verdrängten Schwangerschaft war. Solche Kinder werden in eine Decke eingewickelt.

Gibt es vergleichbare Fälle, in denen eine Tat in dieser Weise öffentlich gemacht wurde?

Mir fällt kein vergleichbarer Fall ein. In den sechs bis zwölf jährlichen Fällen von Säuglingstötung in Berlin wurde meines Wissens keine Leiche demonstrativ abgelegt.

Stellt dieser Missbrauch der Babyklappe das Projekt insgesamt in Frage?

Überhaupt nicht. Problematisch ist das Projekt eher für die anonym abgegebenen Kinder, die lebenslang ihre Eltern suchen werden. Aber die grundsätzliche Intention, eine Möglichkeit anzubieten, ein ungewolltes Kind loszuwerden, ohne es umbringen zu müssen, ist nicht in Frage gestellt.

Die Fragen stellte Amory Burchard

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