Berlin : Gift im Olympiastadion: Umbauarbeiten vorerst gestoppt

Jörn Hasselmann,Holger Wild

Die Sanierungsarbeiten im Olympiastadion sind gestoppt: Bauarbeiter haben hochgiftiges, krebserregendes PCB gefunden. Von heute an wird deshalb auch das benachbarte Olympiabad gesperrt. "Vorsorglich", betonte die Sprecherin der Bauverwaltung, Petra Reetz. Die Abbrucharbeiten vor allen an den Treppen des Stadions habe die Firma bereits am 20. Juni eingestellt. Damals schon sei der erste PCB-Verdacht aufgetreten. Die Baufirma habe die Senatsverwaltung damals allerdings nicht informiert, sie sei dazu auch nicht verpflichtet. Es wurde aber ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das Ergebnis, der PCB-Befund, wurde der Bauverwaltung am 29. Juni mitgeteilt.

Die ersten, laut Reetz äußerst geringen Spuren von PCB (Polychlorierte Biphenyle) wurden im Bauschutt gefunden, der laut Reetz regelmäßig auf Kontaminationen untersucht wird. Der Giftstoff stamme aus der Fugenmasse der Treppenstufen und wurde vermutlich zwischen 1960 und der Mitte der 70er Jahre verarbeitet. Die letzte große Sanierung des Olympiastadions fand 1974 in Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft statt.

Die Bauverwaltung hat nun Messungen veranlasst, mit denen geprüft werden soll, ob außer Treppen und Sand auch die Luft verunreinigt ist. Die Messungen finden auf dem Grün, den Tribünen und außerhalb des Stadions statt. Ein erstes Ergebnis wird für Mittwoch erwartet. Während einer Konferenz mit der Sportverwaltung tauchte gestern die Frage auf, ob auch Besucher des benachbarten Freibades gefährdet sind. Es ist ab heute vorerst geschlossen. "Sobald die mit den Messungen beauftragten Fachleute Entwarnung geben, wird das Bad wieder geöffnet", sagte Reetz. Derzeit gibt es noch keine Entscheidung, was mit anstehenden Fußballspielen geschehen soll. "Eines ist klar, Gesundheitsschutz geht vor - sowohl für die Spieler als auch für die Zuschauer", sagte die Sprecherin.

"Wir sehen keinen Anlass, den Saisonstart umzuplanen, sondern warten erst die Analysen ab", erklärte gestern Hertha-Pressesprecher Hans-Georg Felder. Die Mannschaft bereitet sich derzeit im Trainingslager im österreichischen Kaprun auf den Beginn der Bundesligasaison vor. Gestartet wird die Saison im Olympiastadion am 15. Juli mit einem Freundschaftspiel; eine Woche später kicken die Herthaner gegen Zweitligist FC Union. So lange keine Messergebnisse vorliegen, will Hertha-Sprecher Felder "keine unnötige Panik machen". Es gebe noch keine Überlegungen, die Spiele in das Jahn-Sportpark zu verlegen.

Polychlorierte Biphenyle (PCB) können durch Einatmen, durch die Haut und Nahrungsmittel in den Körper gelangen. Tierversuche haben gezeigt, dass es krebserregend ist. Bei chronischer Vergiftung drohen Leberschäden sowie Veränderungen des Nerven- und Immunsystems. In den 90er Jahren mussten Schulen wegen PCB saniert werden.

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