Berlin : Giftige Brühe unter Baustelle am Alexanderplatz

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Von einer „bösen Überraschung“ auf der Baustelle des geplanten Einkaufszentrums an der Alexanderstraße (Nähe Alexanderplatz) berichtet die städtische Wohnungsbaugesellschaft DeGeWo. Man habe durch Rückstände eines früheren Reinigungsunternehmens an der Schillingstraße verseuchtes Grundwasser entdeckt. Das durch Leichtflüchtige Chlorkohlenwasserstoffe (LCKW) belastete Wasser werde abgepumpt, Fachleute überprüften gegenwärtig den Umfang des Schadens, sagte Sprecherin Erika Kroeber. Eine Gefahr für Bauarbeiter und Anwohner bestehe nicht.

Es sehe auch nicht so aus, dass die Planung für das gemeinsame Bauvorhaben mit dem portugiesischen Investor Sonae in Verzug gerate. Die Bauarbeiten gingen weiter. Gemeinsam mit dem Senat und dem Bezirksamt Mitte wolle man eine schnelle Lösung finden. Dabei gehe es auch um die Sanierungskosten. Bis zum Herbst soll das 300Millionen-Projekt auf dem Gelände – wegen seiner Form „Banane“ genannt – verwirklicht sein.

Nach Auskunft von Regina Grafe, der Leiterin des Amtes für Umwelt und Natur in Mitte, ist der Grundwasserschaden schon länger bekannt. Der Bezirk wisse davon seit Februar. Ursache seien die bei vielen Reinigungen üblichen LCKW- Rückstände, die sich im Mauerwerk des früheren Gebäudes der Firma Rewatex festgefressen und sich durch Keller und Boden im Grundwasser abgelagert hätten. Es gäbe viele solcher Schäden in Berlin. Die Stoffe seien gefährlich, verursachten Allergien, beeinträchtigten die Lunge, könnten zum Krebs führen. Das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi) kontrolliere die Lage. Das Reinigungsgebäude sei abgerissen, der Schaden habe sich unter die Baustelle Alexanderstraße verlagert. Es werde umgewälzt und gereinigt, aber das reiche nicht. Eine Gefahr, bestätigt Frau Grafe, bestehe nicht. Im Oktober könne eine Sanierung beginnen, dafür seien 350 000 Euro veranschlagt. Schlimmstenfalls könne es zwei Millionen Euro kosten.

Die grüne Abgeordnete Claudia Hämmerling erwartet, dass sich das Bauvorhaben durch die „Giftbrühe“ verzögert und dass Berlin mit „einigen Millionen Euro Entsorgungskosten belastet“ wird. LandeseigeneWohnungsbaugesellschaften sollten sich nicht als Projektentwickler im Einzelhandel betätigen. C. v. L.

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