Berlin : Giftiges Baumaterial: Jetzt hat auch Steglitz einen Asbest-Palast

Katharina Körting

Für die rund 2000 Mitarbeiter der Steglitzer Verwaltung wird sich das Umzugskarussell auch nach der Vollendung der Fusion mit Zehlendorf weiter drehen. Denn das Asbestproblem im Steglitzer Kreisel an der Schloßstraße, dem Sitz des Bezirksamtes, nimmt immer größere Ausmaße an. Wie berichtet, wurde in 78 der 703 Räume des in den 70er Jahren errichteten Hochhauses Asbest gefunden. Die Platten, als Brandschutzmaterial eingebaut, werden ab Januar entfernt und durch anderes Material ersetzt. Die Kosten schätzt Baustadtrat Norbert Kopp (CDU) auf eine Million Mark. Bis Mitte des kommenden Jahres dauern die Bauarbeiten. Die Räume stehen solange leer, die Beschäftigten sind derweil zusammengerückt. Das ist jedoch nur die Spitze des Asbestberges. Im gesamten 30-stöckigen Gebäude befindet sich das giftige Material, an den Fassaden ebenso wie in den Brandstützen. Die gesamte nutzbare Geschossfläche beträgt rund 26 000 Quadratmeter.

"Die Stützen sind vor Jahren mit Tapeten überklebt worden, damit sich der Asbest nicht freisetzt", sagt Kopp - eine provisorische Maßnahme. Langfristig müsse etagenweise der gesamte Asbest aus dem 119 Meter hohen Büroturm entfernt werden, um Gefährdungen auszuschließen. Kopp veranschlagt dafür einen Betrag in dreistelliger Millionenhöhe. "Der Bezirk ist mit der Sanierung überfordert", sagt der Stadtrat.

Auf der letzten Bezirksverordnetenversammlung von Steglitz-Zehlendorf forderten CDU, SPD und Grüne, dass das Land Berlin sich an den Kosten beteiligt. "Ein Antrag ist noch nicht gestellt worden", sagt Klaus Dittko, Sprecher der Sentasfinanzverwaltung, "aber wir werden prüfen, ob eine Sonderzuweisung notwendig wird." Zurzeit wird ein Gutachten über die Asbestbelastung im Kreisel erstellt. Mit dessen Fertigstellung rechnet Kopp erst im Herbst des kommenden Jahres.

Klar ist jetzt schon, dass die Sanierung mindestens zehn Jahre dauert. Den Steglitzern steht mithin eine ähnlich unendliche Geschichte bevor wie der Stadtmitte mit dem Palast der Republik. Der war 1990 wegen Asbest geschlossen worden. Die Abgeordneten der letzten DDR-Volkskammer hatten die verseuchten Räume damals fluchtartig verlassen. Bis zum Beginn der rund 70 Millionen Mark teuren Asbestbeseitigung im Sommer 1998 stand das 1976 eröffnete Gebäude leer. Im Mai 2001 soll der Palast von Asbest befreit sein. Die rund 1000 im Steglitzer Kreisel Beschäftigten, die um ihre Gesundheit fürchten, kann der Stadtrat jedoch beruhigen: "Akute Gefahr besteht nicht."

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