Berlin : Giora Feidman: Die Party des Wunder-Rabbi

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Stille. Selbst im hintersten Winkel des "Lindenlife" Unter den Linden verebbt das Klirren der Gläser und das Stimmengewirr. Giora Feidman erhebt seine Klarinette und spielt mit geschlossenen Augen die ersten Töne. Es ist die Melodie eines bekannten jiddischen Liedes. Da summt plötzlich einer mit, zwei, drei. Bis alle Gäste, alle Journalisten, alle Kellner leise singen. Ein Gänsehaut-Moment. Giora Feidman bedankt sich mit seinem Spiel bei Freunden und Gästen, die zur Feier seines 65. Geburtstags gekommen waren. Bedankt sich genauso emotional, wie vorher der Dirigent Justus Frantz über seinen Freund gesprochen hatte. Überhaupt war dies ein Abend der großen Gefühle. Ohne dass es peinlich wurde.

Es sei eine besondere Ehre, dass dieser "musikalische Wunder-Rabbi" seinen Geburtstag in Berlin feiere, hatte Frantz gesagt. "Es bedarf einer großen Charakterstärke, als Jude Deutschland so zu lieben, wie Giora es tut." Für Feidman, der bereits in den 70ern die traditionelle jiddische Klezmer-Musik wieder bekannt gemacht hatte, und der seine Musik als "politisches Mittel zur Völkerverständigung" versteht, ist Deutschland mittlerweile tatsächlich eine "zweite Heimat" geworden, wie er sagt. "Mir wurde hier immer so viel Liebe und Freundschaft entgegengebracht". Deshalb habe er sich entschlossen, seine Geburtstagstournee - den eigentlichen 65. hatte er schon am 25. März in München gefeiert - durch Deutschland zu unternehmen.

Viele Gratulanten waren gekommen. Und alle, so verschieden sie auch waren, hatten eines gemeinsam: Irgendwann, irgendwo schien Feidman ihre Freundschaft gewonnen zu haben. Frantz erinnerte sich an seine skandalumwitterte Verabschiedung vom Schleswig-Holstein Musik Festival und daran, dass Feidman deshalb ein Protestkonzert gegeben hatte. "Er hat mir den Rücken gestärkt, als es mir wirklich nicht gut ging", sagte er. Alexander von Bismarck erzählte, wie der Musiker zur Hochzeit mit Frau Irina im vergangenen Jahr bis zur Erschöpfung gespielt hatte. Und der Geschäftsführer der Firma Buffet Crampon, die Feidmans Instrumente herstellt, bedankte sich mit dem Prototypen einer ganz besonderen Bassklarinette dafür, dass das Geburtstagskind ein so guter Werbeträger ist. Und auch dafür, dass der Musiker häufig zu Besuch kommt, um bei der Weiterentwicklung der Instrumente zu helfen.

Musiker-Freunde aus Argentinien und England waren eingeflogen, und aus Israel Feidmans Frau Ora Bat Chaim. Bundespräsident Johannes Rau kam zum Händeschütteln, Innenminister Otto Schily auch. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse schließlich hatte seine Hochachtung schon am Vormittag ausgedrückt: mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.

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