GIRLS’ DAY 2008 : Feuer und Flamme für Männerberufe

Schmieden, fräsen, programmieren: 8300 Mädchen kamen zum Girls’ Day. Sie schnupperten in Berufe hinein, für die sich sonst oft nur Jungs interessieren.

Liva Haensel
Girls Day
Girls' Day 2008. Die Mädchen gewinnen interessante Einblicke. -Foto: dpa

Elisabeth Seiler (14) und Anna Bal’ sina sitzen konzentriert vor zwei Laptops und reden. Aber nicht miteinander, sondern mit ihren Computern. „Heute ist ein schöner Tag“, sagt Elisabeth mit Betonung in ein Mikrofon und freut sich: Das Spracherkennungsprogramm hat ihren Satz genau aufgezeichnet. Die beiden Schülerinnen des Max-Planck-Gymnasiums in Mitte erproben sich bei der Neuköllner Firma Abitz.com in Software und Computerlinguistik. Chefin Dieu Hao Abitz steht hinter den beiden und gibt Tipps. Die Diplom-Chemikerin machte sich mit ihrer Computerfirma 1989 selbstständig. „Damals war ich als Frau in diesem technischen Beruf total alleine“, sagt sie. Doch der Beruf der Computerlinguistin werde immer wichtiger.

Die beiden Achtklässlerinnen Elisabeth und Anna sind zwei von 8300 Mädchen, die gestern am Girls’ Day teilnahmen. „Das waren zehn Prozent mehr als im Vorjahr, aber immer noch sehr wenige“, sagt Almut Borggrefe von der Landeskoordinierungsstelle Berlin. Rund acht Prozent der Mädchen bewerben sich später um eine Ausbildungsstelle bei den Betrieben, in denen sie in männliche Berufsfelder hineingeschnuppert haben.

Auch Aylin Heptanis von den Schultz-Hencke-Heimen in Wilmersdorf ist mit „Feuereifer“ dabei: Die Elfjährige klopft an einem Pflanzenstab in der Rixdorfer Schmiede, den sie vorher auf offener Flamme erwärmt hat. „Ich bastele gerne und mag Kunst, deshalb will ich den Beruf der Schmiedin kennenlernen“.

Siemens und Daimler Chrysler boten 90 Mädchen Gelegenheit, in Werkstätten zu fräsen und Schaltungen zu stecken. „Bei uns sind Grundschülerinnen, weil die Berufswahl in diesem Alter ja entscheidend geprägt wird“, sagte der Siemens-Mitarbeiter Norbert Giesen. Senator Jürgen Zöllner empfing Schülerinnen in der Senatsverwaltung. Einmal Bürgermeisterin werden? Klaus Wowereit empfahl diese Karriere im Abgeordnetenhaus höchstpersönlich.

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