Girls' Day : Ganz oben auf der Leiter

Mehr als 8500 Teilnehmerinnen besuchten 422 Veranstaltungen des Girls’ Day – auch bei der Feuerwehr.

Patricia Hecht
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Die Zukunft im Blick. Schülerin Josephin wagte sich zu Jens Klink auf die Leiter. Auch die Feuerwehr in Marzahn lud Mädchen zum...Foto: Uwe Steinert

Auf dem Gelände der Berliner Feuerwehr in Marzahn sieht es aus, als stünde gerade ein Großeinsatz bevor: Die Drehleiter ist ausgefahren, ein paar Kettensägen liegen auf dem Boden, aus dem Schlauch spritzt mit hohem Druck Wasser. Nur die, die heute den Schlauch halten, sind andere als sonst: Anstelle von Feuerwehrmännern löschen 14- und 15-jährige Mädchen in voller Montur die imaginären Brände.

Mehr als 8500 Mädchen der fünften bis zehnten Klassen nahmen gestern am neunten Berliner Girls’ Day teil – Besucherrekord. Über 100 Unternehmen und Forschungsinstitute organisierten Veranstaltungen rund um technische, handwerkliche und naturwissenschafliche Berufe. Auch türkische Organisationen beteiligten sich, 422 Angebote gab es ingesamt. Auch der Tagesspiegel machte mit.

Unter den zehn bei Mädchen beliebtesten Ausbildungen habe sich 2008 kein einziger technischer Beruf gefunden, berichtete das Institut der Deutschen Wirtschaft. 2007 war nur rund ein Drittel der Berliner Azubis in Handwerksberufen weiblich – das versucht der Girls’ Day zu ändern. So fährt Josephin Frost aus Hellersdorf mit der berlinweit höchsten Feuerwehrleiter in die Luft, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. „Das kribbelt im Bauch wie beim Achterbahnfahren“, sagt die 15-Jährige und kichert. Neben ihr steht Profi Jens Klink. Wieso sie gerade die Feuerwehr besucht? „Ich wollte wissen, ob der Job wirklich so hart ist“, sagt sie. Den Mann neben ihr fragt sie in 39 Metern Höhe nun ganz gelassen über die Aufnahmeprüfung in seinem Beruf aus. Viele Frauen haben die bisher noch nicht hinter sich gebracht - nur zehn von dreieinhalbtausend Berliner Berufsfeuerwehrleuten im Einsatzdienst sind weiblich.

Im Unfallkrankenhaus Marzahn ist weibliches Personal insbesondere in Pflegeberufen vertreten. Diplom-Ingenieurin Ulrike Maxara erklärt ihren Besucherinnen heute jedoch, wie Puls- und Atemmessgeräte funktionieren: Krankenhaustechnik steht auf dem Programm. „Wir wussten, auf was wir uns hier einlassen“, sagt Henriette Reifegerste aus Pankow - „dass es was mit Technik zu tun hat, stand ja im Internet.“ Die 14-Jährige, die sich für Naturwissenschaften als Wahlpflichtfach entschieden hat, kann sich vorstellen, später mal im Krankenhaus zu arbeiten. Momentan bekommt nur etwa jedes zehnte Girls’-Day-Unternehmen in der Folgezeit auch Bewerbungen von Mädchen für Praktika oder einen Ausbildungsplatz.

Was am meisten Spaß gemacht hat, war bei der 14-jährigen Patricia Pillath, Feuerwehrfrau auf Probe, schnell klar: „Die Kettensäge anwerfen, das war toll.“

Video
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Girls Day in Berlin

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