Berlin : Glas von Welt

Bernd Matthies

Wer sich eine kleine DDR-Nostalgie-Ecke bauen will, braucht nicht viel. Ein paar elegant ziselierte Zaunelemente aus Beton, fein gewellte Dachpappe, dazu vielleicht eine der alten bratpfannenförmigen Straßenlaternen und einen hellblauen Trabi – schon ist die Atmosphäre komplett. Politbüro-Gourmets können sich dank einer Entscheidung der Stadtentwicklungssenatorin bald noch ein weiteres Accessoire sichern: Scheiben vom Palast der Republik. Mit ihrer elegant bronzefarbenen Verspiegelung signalisierten sie einst: Achtung, Weltniveau! Und symbolisierten ein wenig auch den stasihaften Geist der verspiegelten Brille: Man konnte nicht reingucken, wurde aber von drinnen begafft.

Die Welt hat sich von diesem Niveau rasch wieder verabschiedet, und nun sind nach der DDR auch die Scheiben des Palastes der Republik reif für den Müll. Allerdings: Wer sich meldet und ein schlüssiges Konzept darlegt, kriegt sie geschenkt, fünf Stück maximal. Das reicht für einen flotten Nostalgie-Wintergarten, ein paar undurchsichtige Schaufenster. Oder für ein hübsches, würfelförmiges Glashaus. Wäre ein idealer Platz zum Steinewerfen.

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