Glaube und Religion : Bald soll ein Standort für die Potsdamer Moschee feststehen

Seit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen ist die einzige Moschee in Potsdam zu klein. In der Diskussion um einen neuen Standort ist sogar die Garnisonkirche im Gespräch.

von und Katharina Wiechers
Weil die bestehende Potsdamer Moschee aus allen Nähten platzt, finden derzeit Freitagsgebete in der Orangerie der Biosphäre statt.
Weil die bestehende Potsdamer Moschee aus allen Nähten platzt, finden derzeit Freitagsgebete in der Orangerie der Biosphäre statt.Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Für die Potsdamer Moschee ist offenbar eine dauerhafte Lösung für einen neuen Standort in Sicht. Er gehe davon aus, dass die Stadt noch vor der Sommerpause einen Vorschlag unterbreiten könne, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) bei einer Podiumsdiskussion am Dienstagabend in Potsdam. Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) sei mit der muslimischen Gemeinde im Gespräch und prüfe mit ihren Vertretern verschiedene Standorte. Es sei klar, dass die Orangerie der Biosphäre, wo derzeit die Freitagsgebete mit rund 500 Gläubigen stattfinden, nur eine Übergangslösung sein könne.

Unterstützung bekam Jakobs von Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD). „Ich unterstütze das Ansinnen, dass wir in Potsdam einen würdigen Ort für eine Moschee finden“, sagte sie und wagte einen Vorstoß: „Wir sollten auch nachdenken, wie wir das Kirchenschiff der Garnisonkirche nutzen – das kann auch eine Moschee sein.“

Heftige Kritik daran kam von Alexander Gauland, Fraktionschef der AfD im brandenburgischen Landtag. Er unterstellte der Ministerin „völlige Weltfremdheit“, sie wolle das Christentum durch den Islam ersetzen und „unsere Kirchen auf dem Altar der Willkommenskultur opfern“. Oberbürgermeister Jakobs wirkte während Münchs Vorstoß etwas perplex und sagte am Mittwoch: „Das ist ein interessanter Vorschlag. Er ist aber wohl eher auf die Zukunft ausgerichtet.“

Rückendeckung erhielt Münch von Linke-Kreischef Sascha Krämer. „Wenn man den Gedanken der Ministerin aufgreift und weiterdenkt, dann könnten wir über die Errichtung eines interreligiösen Zentrums in einem noch zu errichten Turm nachdenken.“ Derzeit ist ein Turm der Garnisonkirche als Versöhnungszentrum geplant, zudem soll eine Aussichtsplattform für Einnahmen sorgen.

Die Moschee in Potsdam ist schon lange überfüllt

Von der Stiftung Garnisonkirche sagte Vorstandssprecher Wieland Eschenburg, der Vorschlag sei aktuell nicht hilfreich, um den Raumbedarf der muslimischen Gemeinde zu decken. Die Stiftung konzentriere sich zunächst auf den Bau des historischen Kirchturms, der ab Herbst errichtet werden soll. Gedanken zum Schiff mache man sich erst dann, wenn dafür „erkennbare Grundlagen vorhanden sind“.

Gleichwohl könne man natürlich nun schon über Ideen reden: „Das freie Denken hat den Menschen immer schon vorangebracht.“ Die Diskussion zu einer neuen Potsdamer Moschee fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Stadt der Zukunft“ statt, die das Hans Otto Theater seit vergangenem Herbst organisiert. Die 105 Plätze waren bis auf den letzten besetzt, einige Dutzend Menschen mussten draußen bleiben.

Ursprünglich sollte auch Kamal Abdallah, Imam des Vereins der Potsdamer Muslime, teilnehmen. Er hatte aber kurzfristig abgesagt, stattdessen saß Habib Weide auf dem Podium. Der deutschsprachige Wahl-Potsdamer ist nach eigenen Angaben seit 16 Jahren Muslim und Teil der Potsdamer Moschee-Gemeinde. Abdallah verfolgte die Debatte im Publikum. Er hatte Unsicherheiten in der deutschen Sprache als Grund für seine Absage angegeben.

Geplant war die Veranstaltung schon seit Monaten – schließlich hat das muslimische Gotteshaus in Potsdam seit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen ein massives Platzproblem. Weil die Moschee in der Straße Am Kanal aus allen Nähten platzte, hatte die Stadt den Gläubigen die Orangerie der Biosphäre zur Verfügung gestellt.

Predigten künftig auch auf Deutsch und veröffentlicht im Internet

An Brisanz gewonnen hat das Thema aber nun auch durch die aktuelle Debatte um den Inhalt der Predigten, die bei den Potsdamer Freitagsgebeten gehalten werden. Auslöser hierfür war das Buch „Inside Islam“ des ARD-Journalisten Constantin Schreiber, in dem dieser exemplarisch auch ein Gebet hervorhebt.

Schreiber, der selbst Arabisch spricht, hatte das Potsdamer Freitagsgebet nach eigenen Angaben im Dezember vergangenen Jahres besucht und die Predigt als streng konservativ bewertet. Zentrale Passagen könnten ein Hindernis für die Integration darstellen, so Schreibers Ansicht. So seien die Gläubigen unter anderem gewarnt worden, sich nur mit „rechtgläubigen Muslimen“ zu befreunden. Hetze oder inakzeptable Agitation gegen die Demokratie habe es aber keine gegeben.

Kamal Abdallah, der zwar in Potsdam predigt, nach eigener Aussage aber keine Imam-Ausbildung hat, hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und Schreiber zuletzt sogar der Lüge bezichtigt. Er verlangte, dass dieser Beweise per Video oder Tonaufnahme vorlege. Zudem warf er Schreiber vor, sein Buch geschrieben zu haben, weil er Geld verdienen wolle.

In die Diskussion mit eingeschaltet hatte sich die Stadt Potsdam. Unter anderem vereinbarte sie mit der Moschee-Gemeinde, dass die Predigten künftig auch auf Deutsch ausgereicht und im Internet veröffentlicht werden. Ob dies in vollem Umfang so geschehen wird, ist allerdings noch nicht klar.

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