Berlin : Glaubenssache

Fünf ehemalige Regierende Bürgermeister starten Kampagne gegen geplantes Pflichtfach Ethik

Claudia Keller

Es gibt immer noch viele Berliner, die sich mit den Plänen des rot-roten Senats für das künftige Pflichtfach Ethik nicht abfinden wollen. Jetzt haben sich fünf ehemalige Regierende Bürgermeister und eine ehemalige Bürgermeisterin parteiübergreifend zusammengetan, um mit einer Anzeigenkampagne in den Berliner Zeitungen ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. Die Christdemokraten Richard von Weizsäcker und Eberhard Diepgen sowie die SPD-Politiker Klaus Schütz, Hans-Jochen Vogel, Dietrich Stobbe und Christine Bergmann fordern, dass neben dem geplanten Ethikfach auch Religionsunterricht als gleichberechtigtes Unterrichtsfach eingeführt wird. Für einen solchen Fächerkanon kämpfen auch die Amtskirchen und die Jüdische Gemeinde.

„Berlin ist eine freie Stadt des Denkens und des Glaubens. Wer für eine tolerante Stadt einstehen will, braucht die Kenntnis der eigenen wie fremder Religionen. Deshalb sollen Schüler auch in Berlin wählen können, ob sie am Religionsunterricht oder an einem staatlichen Ethikunterricht teilnehmen wollen“, heißt es in der Anzeige. Ein staatliches Monopolfach verletze die Neutralitätspflicht des Staates. Religionsunterricht vermittle nicht nur Wissen, sondern auch Orientierung. Er sei gerade heute unverzichtbar. „Wir wollen noch einmal klar machen, dass es Leute gibt, die Verantwortung für die Stadt getragen haben und die mit der aktuellen Situation nicht zufrieden sind“, sagt Christine Bergmann. Eberhard Diepgen ruft zum „Bürgerprotest“ auf gegen das geplante „Zwangsfach“ Ethik. „Ich halte es für rechtswidrig, dass Schüler in das Ethikfach hineingezwungen werden“, so Diepgen, „das ist staatliche Indoktrination“.

Christine Bergmann erinnert daran, dass es in der Stadt sehr wohl eine Mehrheit für den Religionsunterricht gebe, auch wenn viele Berliner nicht gläubig seien. Sie würden wollen, dass ihre Kinder mit gläubigen Religionslehrern authentisch über die großen Fragen des Lebens diskutieren können und ihnen nicht nur abstrakte Bibelkunde vermittelt werde, wie es das neue Fach vorsehe.

Das Pflichtfach Ethik soll im kommenden Schuljahr in den siebten Klassen eingeführt werden. Unlängst hat Bildungssenator Klaus Böger (SPD) den Entwurf des Rahmenlehrplans vorgelegt. Kirchen und Senat sind sich trotz wiederholter Gespräche in ihren Positionen nicht näher gekommen.

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