Gleisdreieck in Berlin-Kreuzberg : Astronomen laden heute zum Sterne gucken im Park

Es soll einen „Supermond“ geben - und noch viel mehr zu entdecken. Berliner Astronomen laden ein, am heutigen Samstagabend vom Park am Gleisdreieck aus durch Teleskope in den Himmel über Berlin zu blicken. Und vielleicht winkt ja Alexander Gerst von der ISS.

Tassilo Hummel
Die Astronomen werde Spezialteleskope dabei haben, um die Sonnenflecken zu beobachten.
Die Astronomen werde Spezialteleskope dabei haben, um die Sonnenflecken zu beobachten.Foto: dpa

An diesem Samstagabend wird vom Park am Gleisdreieck in den Himmel geguckt. Vielleicht mit der alten Russentonne, diesem Lichteimer, der die Sterne ganz hell macht, einem der gängigen Spiegelteleskope, das einer der Hobbyastronomen sicher dabei haben wird, wenn die Archehold Sternwarte, das Zeiss-Großplanetarium und die Wilhelm-Foerster-Sternwarte ihr öffentliches Sternegucken veranstalten. „Wir wollen den Menschen die Wunder der Astronomie eröffnen“, sagt Stefan Gotthold, der mit seinem Astronomie-Blog den „Straßen-Astronomie“-Event initiiert hat. Jeder kann mitmachen und sich beim Blick durch die im Gleisdreieck aufgestellten Teleskope von Profiastronomen erklären lassen, was er schon immer über Sterne, Kometen, Planeten, das Universum wissen wollte.

"Man könnte sich sein Leben lang den Mond anschauen"

Gotthold, gelernter Ingeneur, der seit 20 Jahren in die Sterne schaut, kommt sicher auch an diesem Abend wieder schnell ins Schwärmen. „Das fängt ja schon beim Mond an“, sagt er . „Nach zwei Jahrzehnten entdecke ich auf ihm immer noch ganz neue Gegenden, die ich davor noch nie gesehen habe. Man könnte sich sein ganzes Leben allein mit dem Mond beschäftigen.“ Ein besonders guter Zeitpunkt, um damit anzufangen sei dieses Wochenende. Es gebe einen Supermond, also einen ganz nah an der Erde stehenden Riesen-Vollmond. Zwar, gibt er zu, ist Berlin mit seinem vielen Lichtsmog nicht der beste Ort für astronomische Forschungen, jedoch gebe es auch hier viel mit bloßem Auge oder mit dem Fernrohr zu entdecken. Nach dem Mond ist die Venus der hellste Fleck am Nachthimmel. „Die hat jeder schon als Morgen- oder Abendstern gesehen“, sagt Gotthold. Wegen ihrer Strahlkraft sei die Venus auch der häufigste Kandidat für falsche Ufo-Sichtungen. Dass am Abend außerirdisches Leben gesichtet wird, mag unwahrscheinlich sein, Gotthold will dies aber trotzdem nicht ausschließen. „Wir gehen ja davon aus, mit dem Raumschiff Erde nicht allein zu sein.“

Der deutsche Mann im All: Alexander Gerst ist Ingeneur in der ISS. Zweimal am Abend fliegt sie über Berlin.
Der deutsche Mann im All: Alexander Gerst ist Ingeneur in der ISS. Zweimal am Abend fliegt sie über Berlin.Foto: dpa

Astronaut Alexander Gerst schaut zu

Unbeobachtet ist die Erde schon deshalb nicht, weil derzeit mindestens einer von oben auf sie draufschaut: Alexander Gerst, der Kölner Astronaut, der als Bordingeneur auf der Internationalen Raumstation ISS arbeitet und für deutsche Astronomen längst eine Lichtgestalt ist. Die Raumstation wird denn auch von den Astronomiefreunden im Park am Gleisdreieck reichlich bejubelt werden, wenn sie zwei Mal, um 21.07 Uhr und um 22.44 Uhr, über den Berliner Nachthimmel schnellt. „Die ISS sieht aus wie ein überschnelles, sehr helles Flugzeug“, sagt Gotthold. Drei bis vier Minuten brauche sie nur, um einmal den Himmel zu überqueren. Wer also vom Gleisdreieck aus einmal gezielt zu Gerst hinaufwinken möchte, dem wird wohl von den Experten aus den Sternwarten geholfen werden müssen. Vielleicht können ja auch Sternschnuppen gesehen werden, immerhin ist gerade die Zeit der Peseiden: Die Erde fliegt durch einen gigantischen Kometenschweif, dessen Partikel vom Sonnenlicht herausgelöst werden und dann glühend, wie ein Funkenflug, über den Himmel schießen. Einer, der momentan so einen Schweif auswirft, ist Jacques, genauer: Komet C/2014 E2. Der nähert sich gerade der Erde, ohne ihr aber allzu nahe zu kommen, und kann mit dem Teleskop als Fleck ausgemacht werden. Noch mehr interessante Flecken gibt es auch auf der Sonne.

Astronomensorge Wetter

Und weil das Treffen der Sternengucker schon um 17 Uhr begonnen hat, kann man diese Punkte mit einem Spezialteleskop genauer untersuchen. Bleibt noch die ständige Astronomensorge: das Wetter. Wer ins All schauen will, muss freie Sicht haben. Daher wird die Veranstaltung bei Regen wohl verschoben werden müssen. Tagsüber regnete es zwar immer mal wieder auch ziemlich stark in Berlin, doch die Wettervorhersage für den Abend lässt hoffen. Der Tag am Teleskop ist übrigens kostenlos.

Vor ein paar Jahrzehnten war das noch anders. Nach dem zweiten Weltkrieg, als die Lichtquellen zerstört waren, hätten sich Straßenastronomen in der Stadt postiert, um Neugierige durch ihr Teleskop blicken zu lassen. Ein gutes Geschäft, sagt Felix Lühning, Leiter der Archenhold-Sternwarte. Sternegucken mit den Sternwarten: 17 Uhr bis Mitternacht. Treffpunkt in der Mitte des Parks am Gleisdreieck. Bester Eingang: Möckernstraße. Mehr Infos auch zum Wetter: www.clearskyblog.de

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