Berlin : Gleisdreieck: Verfahrene Situation

Christian Domnitz

Die Verhandlungen zur Zukunft des Gleisdreiecks sind vorerst gescheitert. Wann die Umgestaltung des Areals beginnt, steht damit in den Sternen. Die Vivico, die Immobiliengesellschaft der Deutschen Bahn, forderte Nachbesserungen, nachdem die Senatsbauverwaltung einen "letzten Plan" für die Bebauung des 60 Hektar großen Areals um den U-Bahnhof Gleisdreieck vorgelegt hatte. "Wir haben nicht den Eindruck, dass dies das letzte Planungsstadium ist", sagte Vivico-Sprecher Wilhelm Brandt gestern. Für ein tragfähiges Konzept sei es nötig, viel Zeit zu investieren. Bausenator Peter Strieder (SPD) hingegen sagte, das Angebot sei "für beide Seiten akzeptabel". Die Vivico solle es annehmen, auch im Hinblick darauf, "dass die Bahn auch an anderen Stellen in Berlin gern bauen möchte". Grafik: Planungsstand Gleisdreieck "Es ist unser letzter Vorschlag", hatte hingegen Senatsbaudirektor Hans Stimmann auf einer Versammlung am Montagabend gesagt, an der Vertreter der Senatsbauverwaltung, des Bezirks Kreuzberg-Friedrichshain, der Vivico und der Bürgerinitiative "AG Gleisdreieck" teilnahmen. "Nun muss die Entscheidung auf einer höheren politischen Ebene fallen", sagte Stimmann nach dem Treffen. Die Verhandlungen um das Gleisdreieck ziehen sich seit sechs Jahren hin.

Die Vivico ist Eigentümer, Entwickler und Bauherr des Areals. Der Senat beabsichtigt, 16 Hektar des Gebiets im Tausch gegen Landesgrundstücke im Umkreis des Gleisdreiecks zu erwerben. Auf den Flächen sollen Parks und Sportplätze entstehen. Die Vivico wies in ihrem Entwurf kleinteiligere Flächen als Park aus, so zum Beispiel einen nur wenige Meter breiten Grünstreifen östlich der ICE-Trasse. Weil die vom Senat zu erwerbenden Grünflächen auf etwas über 16 Hektar festgeschrieben sind, ergäbe sich so ein Plus an Baufläche für die Vivico. Die Bürgerinitiative "AG Gleisdreieck" erinnert daran, dass ursprünglich das gesamte Areal als Park geplant war. Die Verhandlungen sind in einer Patt-Situation stecken geblieben. Die Vivico muss beim Eisenbahn-Bundesamt in Bonn der Umwidmung des Bahngeländes zustimmen, was die Einrichtung von Parks möglich machen würde. Sie darf jedoch keine Gebäude auf ihrem Gelände errichten, solange die Senatsverwaltung Bauflächen nicht endgültig ausgewiesen hat. Die Konzepte des Landes und der Vivico ähneln sich: In beiden Entwürfen vorgesehen ist ein fünfzig Meter hohes Gewerbegebäude westlich des U-Bahnhofs Gleisdreieck. Das bis zu 15 Etagen hohe Haus würde den Bahnhof um dreißig Meter überragen. An der Flottwellstraße und der Yorckstraße sind jeweils Wohn- und Gewerbehäuser geplant. Auf dem Gelände entlang der Möckernstraße sieht die Bauverwaltung fünfgeschossige Wohnhäuser vor, die Vivico will einen Medienpark bauen. Die AG Gleisdreieck kritisiert, dass an dieser Stelle das historische Zollhaus der Bahn und schützenswerte Lokschuppen geopfert würden. Weiterhin bemängelt sie, dass hier im gültigen Flächennutzungsplan von 1998 eine Grünfläche vorgesehen sei, die im Entwurf der Bauverwaltung verschwand.

Auf dem Gleisdreieck befinden sich ungenutzte Eisenbahn-Anlagen aus der Vorkriegszeit. Zu Mauerzeiten wuchs hier ein Biotop heran. Zurzeit werden Teile der Fläche als Materiallager und Umschlagplatz für die Bauarbeiten am Potsdamer Platz genutzt, der Rest liegt weitgehend brach. Bald sollen ICE-Züge das Gelände durchqueren, bevor sie am nördlichem Ende in dem Tunnel verschwinden, der zum geplanten Lehrter Fernbahnhof führt. Auch eine neue S-Bahnlinie ist geplant. Die Trassen sind jedoch so schmal, dass die Bahn den größten Teil des Geländes nicht mehr benötigt.

Auf der Versammlung, bei der etwa 150 Bürger zugegen waren, wurde Unmut deutlich. Im vollbesetzten Gemeindesaal der Christuskirche in der Wartenburgstraße - unmittelbar neben dem umstrittenen Areal - gab es unzählige Zwischenrufe. Die AG Gleisdreieck forderte den Senat auf, diejenigen Teile des Geländes, auf denen die Nutzung unumstritten ist, bereits jetzt zum Park umzugestalten. Alternativ könne der Senat auch Teile des Geländes anmieten, schlug AG-Vertreter Matthias Bauer vor. Beides lehnte Stimmann jedoch ab: Vor Baubeginn müsse die Planung komplett sein.

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