Berlin : Glitzersterne statt Böller

Der Trend geht zu Leuchteffekten in der Silvesternacht. Immer beliebter sind Feuerwerksbatterien

Christoph Stollowsky

Silberschweife mit Goldkranz, blitzende Lichteffekte, galaktische Knattersternenbouquets oder „pinkfarbene Chrysanthemenblüten, ganz einfach in den Nachthimmel zu schießen“ – eine Fontäne von Werbesprüchen brennen die Feuerwerksfirmen derzeit ab. Aufs Krachen oder Böllern kommt es dabei weniger an. Der Trend fürs diesjährige Silvesterfest geht noch stärker als in den vergangenen Jahren zu optischen Effekten. „Zu eindrucksvollem Lichterhokuspokus, mit dem man die bösen Geister vertreiben will“, sagt Hans-Georg Kehse vom Pankower Pyrotechnik-Vertrieb „Pyro Art“. Das zeigte sich schon am Donnerstag, als Feuerwerkskörper erstmals verkauft werden durften.

„Leuchten, blitzen, flackern – je ausdauernder, desto begehrter.“ So beschreibt auch Klaus Gotzen, Geschäftsführer des Verband der Pyrotechnischen Industrie die Entwicklung beim Silvesterspaß. Ermöglicht wird das durch die sogenannten Batterie- oder Systemfeuerwerkskörper, mit denen auch pyrotechnische Laien ein wahres Schauspiel zwischen Erde und Himmel entfachen können. Im Dezember 2003 lagen sie erstmals in den Regalen, doch zum bevorstehenden Jahreswechsel wurden die Batterien beträchtlich weiter entwickelt.

Heuler, Sprüher, raketenähnliche Geschosse, Feuergarben und etliche andere Feuerwerkskörper verschiedenster Art bringen die Hersteller dafür in gleichgroßen Pappröhren unter, packen diese nebeneinander in einen Plakstikkasten und verbinden sie mit einer Zündschnur. Hält man Feuer daran, wird die ganze Batterie selbsttätig teils minutenlang in die Silvesternacht geschossen – manche Effekte auf Augenhöhe, andere bis hinauf in 90 Meter Höhe.

Die Berliner Feuerwehr beobachtet das mit Freude. „Diese Batterien sind sicherer als viele einzelne Feuerwerke“, sagt ihr Sprecher Matthias Waligora. Die Funktion sei exakt ausgetüftelt. Schießt ein Systemfeuerwerk beispielsweise rund siebzig Effekte von links nach rechts in Fächerform nacheinander ab, so sind die Flugbahnen „genauestens berechnet“, hat Waligora beobachtet. Wer die Batterie auf den ebenen Boden stelle, könne recht sicher sein, dass es keine Querschläger gibt. „Die Flugbahn einer Rakete, die am Stab aus der Flasche aufsteigt, ist dagegen völlig willkürlich.“

Allerdings muss man für die neuen Kombinationsfeuerwerke recht tief ins Portemonnaie greifen. Zwischen fünf und neun Euro kostet eine solche Batterie. Würde man für die vielen unterschiedlichen Effekte jedoch einzelne Raketen, Frösche, Sprüher oder Heuler kaufen, wären diese zusammen kaum billiger, rechnet Hans-Georg Kehse von „Pyro-Art“ vor.

Dennoch werde in Berlin schon allein wegen des Preises auch weiterhin einfach nur geknallt, meint er. Kehse denkt dabei an die junge Kundschaft mit weniger Geld, die Böller für ein paar Cent bevorzugt, und an bestimmte Kieze „mit höherem Aggressionspotenzial“. In bürgerlichen Vierteln werde der Silvesterhimmel hingegen heller denn je leuchten. Doch hat der Verkauf von lärmendem Feuerwerk auch in Berlin abgenommen. „Zehn bis zwanzig Prozent sind noch Kracher“, so der Pyrotechnische Industrieverband.

Hergestellt wird das Feuerwerk zu 95 Prozent im Mutterland der Pyrotechnik – in China. Deshalb sind gleich mehrere System-Batterien nach Drachen benannt, zum Beispiel das „Dragon Eye“. „In seinen Augen funkeln rote und grüne Fontänen“, verspricht die Werbung.

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