Glos' Ausraster : „Mein Ärger ist verraucht“

Was war da los, Herr Glos? Der Wirtschaftsminister hatte es so eilig, dass sein Fahrer einem Polizisten über den Fuß fuhr. Nun hat er einen Entschuldigungsbrief geschrieben.

Sabine Beikler,Tanja Buntrock
Michael Glos
Da kann ja jeder kommen: Michael Glos durfte nicht durch die Polizeisperre fahren. -Foto: ddp

Erst gab es Streit, dann eskalierte die Situation. Am Ende fuhr der Fahrer von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) mit dem Dienstwagen einem Polizisten am Dienstag über den Fuß. Der Grund: Glos musste eilig an einer Polizeisperre in der Charlottenstraße in Mitte vorbei, um stellvertretend für die Bundeskanzlerin Angela Merkel den kasachischen Staatspräsidenten Nursultan Nasarbajew zu empfangen. Es kam zu einem Wortgefecht, bei dem Glos dem Beamten mit dem Ende seiner Karriere gedroht haben soll. Ein hochrangiger Polizeibeamter bestätigte dem Tagesspiegel, dass es einen internen Bericht dazu gibt. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums wiederum widerspricht dieser Darstellung.

Die Polizei hatte bereits gegen 10 Uhr den Bereich rund um die Deutsche Bank gesperrt – also auch die Kreuzung Unter den Linden/Charlottenstraße. Dort stand der betroffene Beamte der Bereitschaftspolizei, der zur „Verstärkung des Zielpunktschutzes“, wie es im Polizeijargon heißt, eingesetzt war. Da die Kolonne des Staatsgastes bereits unterwegs war, verweigerte der Beamte aus Sicherheitsgründen die Durchfahrt gegen 10.20 Uhr. Doch wie ein Beamter dem Tagesspiegel berichtete, hätten Glos und sein Fahrer die Sperrung nicht akzeptiert. Der Polizist habe aber „völlig korrekt gehandelt“, sagte ein Beamter, denn „die Sicherheit geht vor“. Auch ein Minister habe in so einer Situation kein Durchfahrtsrecht. „Sonst könnte ja jeder mit einer dicken Limousine und einem Fahrer kommen und sagen, er sei Minister und müsse durch“, sagte der Beamte. Dies sei aus sicherheitstechnischen Gründen nicht zu verantworten. Der Fehler liege wohl eher beim „Protokoll“, sagte er. Denn wenn den Polizisten an der Absperrung über Funk mitgeteilt worden wäre, dass Glos für die Bundeskanzlerin einspringen und somit durch die Absperrung müsse, „dann hätte der betroffene Polizist ihn auch durchgelassen“, hieß es. Nach der Auseinandersetzung hatte sich Michael Glos zu Fuß weiter auf den Weg gemacht zur Deutschen Bank Unter den Linden, wo der Staatspräsident empfangen werden sollte.

Welche Worte auch immer in dem Wortgefecht zwischen Glos, seinem Fahrer und dem Polizisten fielen: Der 64 Jahre alte Bundesminister aus Unterfranken mag mit seiner sonoren Stimme schon mal griesgrämig wirken. Als Choleriker ist Glos nicht bekannt. Trotzdem muss den gelernten Müllermeister sein Gewissen geplagt haben: Er schrieb am Mittwoch einen Entschuldigungsbrief an den Polizisten. Das Zusammentreffen an der „Zufahrtskontrolle“ zum Empfang des kasachischen Staatspräsidenten habe leider „unter keinem guten Stern“ gestanden. „Sie hatten Ihre Anweisungen, die Sie auftragsgemäß befolgt haben“, schreibt Glos. Er selbst sei in Eile gewesen. Deshalb sei die Weigerung, den Wagen passieren zu lassen, „schwer verständlich“ für ihn gewesen. „Falls ich unwirsch reagiert haben sollte, bedauere ich dies. Mein Ärger ist inzwischen verraucht. Ich hoffe, auch Sie tragen mir die unglückliche Situation nicht nach“, endet das Schreiben.

Die Vorgesetzten machten dem prinzipientreuen Polizisten keine Vorwürfe. Mit Konsequenzen habe er nicht zu rechnen. Der leicht am Fuß verletzte Bereitschaftspolizist akzeptierte Glos’ Entschuldigungsschreiben. „Aus Sicht des Polizeipräsidenten haben damit beide Seiten angemessen reagiert“, sagte ein Polizeisprecher gestern. Der Wirtschaftsminister hat vermutlich mit keinen juristischen Konsequenzen zu rechnen. Doch eine Unfallanzeige besteht von Amts wegen, der Hergang wird nun genau ermittelt. „Danach wird feststehen, ob dem Fahrer strafrechtlich etwas vorzuwerfen ist“, sagte ein Ermittler.

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