Berlin : Glück auf!

Nach 50 Jahren kehrt die Fortuna auf den Turm des Alten Stadthauses zurück

Helmut Caspar

Irgendwie wirkt die Kuppel des Alten Stadthausturms im Berliner Klosterviertel bis heute nackt und bloß. Was ihr seit über 50 Jahren fehlt, kehrt in Kürze wieder zurück – die Glücksgöttin Fortuna. Von allen Seiten war die 3,25 Meter hohe Kupfertreibarbeit auf einer vergoldeten Kugel zu sehen, bis sie nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Platz verlassen musste. Denn als das Magistratsgebäude in den Sitz des DDR-Ministerpräsidenten umfunktioniert wurde, war die prächtige Symbolfigur im Wege. An ihrer Stelle wurde ein Fahnenmast aufgepflanzt.

Als die Senatsinnenverwaltung in das Alte Stadthaus einzog, begann sie mit der Sanierung und Restaurierung des Gebäudes, das 1902 bis 1911 nach Plänen des Berliner Stadtbaurates Ludwig Hoffmann errichtet wurde. Das flache Notdach aus der Nachkriegszeit wurde durch ein mächtiges Mansard-Daches ersetzt. Hinter Plastikplanen haben Bauleute in den vergangenen Jahren auch die Turmfassade ausgebessert und aufgefrischt. Am 2. September wird sie mit der Glücksgöttin bekrönt. Die Wiederherstellung des kupfernen Turmschmucks wurde von dem Berliner Unternehmer Peter Dussmann mit 125 000 Euro finanziert.

Das vom Bildhauer Ignatius Taschner geschaffene Original gilt als verloren. Eine Nachbildung wurde aus einem dünnem Kupferblech in der Werkstatt des Adlershofer Restaurators Bernd-Michael Helmich gefertigt. Dazu stellte der Bildhauer Jost van der Velden nach einem kleinen Originalmodell ein Eins-zu-Eins-Modell aus Gips her. Nach ihm haben Helmich und seine Mitarbeiter in eineinhalbjähriger Arbeit zahllose gewölbte Kupferbleche geschaffen. Sie wurden so miteinander verschweißt, dass am Ende die Glücksfigur mit dem Füllhorn entstand. Die Statue wiegt 250 Kilogramm und wird mit einer Edelstahlkonstruktion in der Turmspitze verankert, so dass ihr Wind und Wetter nichts anhaben können.

Zum Figurenschmuck des Alten Stadthauses gehören weitere überlebensgroße Plastiken aus Muschelkalkstein. Sie waren 1976 wegen ihres schlechten Zustandes abgebaut und im Depot eingelagert worden. Bisher kehrten acht Steinvasen und zwei überlebensgroße Plastiken so genannter Bürgertugenden zurück. Ein Rechtsstreit verhinderte bisher, dass auch die übrigen auf Kraft, Stärke, Mut und Bürgersinn deutenden Allegorien auf ihren Stammplätzen stehen. Die Innenverwaltung ist zuversichtlich, dass der Turmschmuck nach Abschluss eines Gerichtsverfahrens komplettiert werden kann.

Für die stadträumliche Wirkung des Alten Stadthauses sei die Wiederherstellung des Figurenkranzes von großer Bedeutung, sagt Peter Fleischmann, beim Innensenator zuständig für die Arbeiten an dem Gebäude. „Die Plastiken vereinen antike und christliche Themen und Tugenden“, erklärt Fleischmann, „wer sie genau anschaut, erkennt in ihnen auch die Aufforderung zu Humanität und Toleranz.“

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