Glühbirnenverbot : Auf der Suche nach Restlicht

Ab heute wird die 100-Watt-Birne nicht mehr hergestellt - Anlass für eine letzte Einkaufstour in Berliner Glühlampen-Geschäften.

Carl-Friedrich Höck
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Aussterbende Art. 100-Watt-Glühbirnen und alle matten Glühbirnen werden seit heute nicht mehr produziert. Die Restbestände sind in...Foto: dpa

Das kleine Regalfach in der Rossmann-Drogerie am Alexanderplatz, in dem laut Preisschild eigentlich 100-Watt-Glühlampen im Zweierpack liegen müssten, ist leergeräumt. Im Media-Markt im Alexa das gleiche Bild: Hier sind die 100-Watt-Glühbirnen schon seit Wochen ausverkauft. Liebhaber der stromfressenden Lampen haben es schwer, wenn sie jetzt noch welche auftreiben wollen. Denn seit heute dürfen die 100-Watt-Birnen nicht mehr produziert werden. Auch alle matten Glühbirnen gehören seit heute der Vergangenheit an. Zwar dürfen die Restbestände noch verkauft werden, doch vielerorts sind die auch schon weg.

„Vor einer Woche haben wir unsere letzte 100-Watt-Birne verkauft“, sagt Christian Krugmann vom Lichthaus Mösch in der Kantstraße in Charlottenburg. Die Kunden hätten die restlichen Bestände in den vergangenen Wochen paketweise mitgenommen. „Einige haben bis zu 600 Euro für Glühlampen ausgegeben“, berichtet Krugmann. Zwar habe man versucht, zusätzliche Mengen zu bestellen, die Hersteller seien aber mit den Lieferungen nicht hinterhergekommen.

In der Konzernzentrale der Media-Saturn-Holding, der die Elektromarkt-Ketten des Metro-Konzerns betreiben, bekommt man von Hamsterkäufen weniger mit. „Wir haben weder von den alten Birnen mehr bestellt, noch haben die Kunden sie gehortet“, sagt eine Unternehmenssprecherin. Allerdings sei jede Filiale für ihre Sortimentspolitik selbst verantwortlich. Fragt man direkt im Saturn am Alexanderplatz nach, gewinnt man ein anderes Bild: Hier habe man kurz vor dem Produktionsstopp noch schnell einen großen Vorrat bestellt, verrät ein Verkäufer. Die momentan noch in großen Mengen ausliegenden 100-Watt- Lampen würden aber „extrem schnell weggehen“. An den Regalen kann man dabei zusehen. Auch Michael Müller stöbert hier nach den alten Leuchtkörpern. Er wolle sich noch drei oder vier Packungen mitnehmen, erzählt er. „Das Licht der Energiesparlampen ist nicht so warm und gemütlich“, kritisiert er.

Froh ist auch der 82-jährige Paul Höhn, dass er noch ein paar Packungen ergattert hat. Er sei einfach an die alten Lampen gewöhnt, sagt er. Dagegen steuert Joachim Gänzel geradewegs an den Körben mit den Restbeständen vorbei und greift in das Regal mit den Sparlampen. Das Glühlampenverbot habe ihn zum Nachdenken angeregt, begründet er. „Man muss ja auch mal was für die Umwelt tun.“

Während die Kunden in vielen Läden gezielt nach 100-Watt-Birnen suchen, scheinen sie die matten Glühlampen aus dem Blick verloren zu haben. „Ich sehe immer wieder erstaunte Gesichter, wenn ich erzähle, dass jetzt auch die matten 40- und 60-Watt-Varianten schon vom Markt genommen werden“, erzählt Verkaufsberater Krugmann vom Lichthaus Mösch. Auf einer Messe habe er aber schon eine Lösung für diejenigen gesehen, die auf das gewohnte matte Licht nicht verzichten wollen: „Die ersten Firmen stellen schon Überzüge für die Klarglas-Glühbirnen her.“ Und die gibt es noch bis 2012.

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