Berlin : Go West

Der Kurfürstendamm eine Clubmeile? Einige Indizien sprechen derzeit dafür

Nana Heymann

Die schlechte Nachricht vielleicht zuerst: Das Fritz Nielsen macht zu. Der kleine Club am Ende des Ku’damms stellt seinen ambitionierten Kulturbetrieb ein. Zweieinhalb Jahre lang trafen sich hier Sportfreunde, Literaten und Musiker. Sie gaben Konzerte, hielten Lesungen oder saßen einfach nur bei einem Bier zusammen. Vor allem aber belebten sie die trostlose Gegend rund um den S-Bahnhof Halensee. Bei den Nachtmenschen der Stadt kam dieses Bemühen gut an. Deshalb war das Aus, das die Betreiber Fritz Bleuler und Niels Eixler im Dezember verkündeten, für sie recht überraschend.

„Wir hatten gehofft, dass sich drumherum mehr bewegt“, sagt Niels Eixler. Sein Partner, der den Laden morgen an die Vermieter übergibt, präzisiert das Problem: „Die Menschen, die abends weggehen, wohnen hier nicht. Dadurch fehlt das Laufpublikum.“ Und für diejenigen, die bewusst kamen, habe es zu wenige Alternativen gegeben, als dass sich die Gegend hätte zu einem Ausgehviertel entwickeln können. Das Clubrestaurant Astoria gleich neben dem Fritz Nielsen machte bereits im letzten Jahr dicht.

So weit also die schlechte Nachricht, nun zur guten: Am entgegengesetzten Ende des Ku’damms sieht das mit dem Ausgehen ganz anders aus. Dort wächst derzeit das, was man in absehbarer Zeit vielleicht als Partymeile bezeichnen kann. Das liegt nicht zuletzt am neuen Flagschiff der Gegend, dem im Dezember eröffneten Cascade-Club an der Fasanenstraße. Kurz nachdem Betreiber Siegfried Egerer die Türen zu seinem elegant ausgebauten Tanztempel mit eigenem Wasserfall öffnete, eroberten die Partygäste in Scharen die von LED-Leuchten in Szene gesetzte Tanzfläche.

„Es läuft überraschend gut, und das, obwohl wir bislang noch nicht viel Werbung für unseren Laden gemacht haben“, sagt Egerer. Er glaubt den Grund für den Erfolg des Cascade zu kennen: „Viele Menschen, die zum Beispiel am Savigny-Platz essen gehen und danach noch tanzen wollen, haben einfach keine Lust mehr, in den Osten zu fahren.“ Bei den meisten seiner Gäste habe er eine regelrechte „Neugier auf einen Club in unmittelbarer Nähe zum Ku’damm“ ausgemacht. Und so versammeln sich hier freitags und sonnabends feierwütige Studenten, jung gebliebene Geschäftsmänner sowie bekannte Szenegrößen. Auch die Prominenz, darunter Hertha-Spieler Arne Friedrich und Schauspieler Gedeon Burkhard, hat das Cascade schon für sich entdeckt.

Der große Boulevard und seine Partyorte – ein Verhältnis, das bislang vor allem durch viel Alkohol und abgeschmackten Glitzerschick geprägt wurde. Zum Beispiel im Q-Dorf, nicht weit vom Cascade. Nüchtern betrachtet gleicht das Treiben in der Diskothek einem Stelldichein am Ballermann. Die weiblichen Besucher tragen hier bevorzugt bauchfrei, die männlichen verstecken ihre jungen Gesichter gern hinter den Schirmen ihrer Mützen, die sie sich lässig auf den Kopf legen. Wechselnde DJs legen Hip-Hop und R ’n’ B auf, und gegen zwei, wenn die Euphorie der Gäste nasswarm von der Decke perlt, treten durchtrainierte Go-go-Tänzer auf.

Die gibt es im Big Eden derzeit nicht. Im Juli vergangenen Jahres verkaufte Arena-Betreiber Falk Walter den Club an den Immobilienkaufmann Thorsten Müller. Der lässt die geschichtsträchtige Tanzhöhle, die einst dem Verlegenheits-Playboy Rolf Eden gehörte, zurzeit sanieren. Ob das Interieur aus verspiegelten Wänden und Sitzecken dem Club dann nach wie vor den Charme einer Tabledance-Bar verleihen wird, ist noch unklar. Fest steht hingegen: Inhaber Müller glaubt an den Standort.

Und auch Fritz Bleuler und Niels Eixler sind trotz der Schließung des Fritz Nielsen vom Partypotenzial der Meile überzeugt. „Ich bin sicher, dass der Ku’damm im Kommen ist“, sagt Bleuler. Dafür müssten sich die Ansässigen nur eine gemeinsame Strategie überlegen. Die Mieten in der Gegend am hinteren Ende der Straße seien vergleichsweise günstig, so dass sich schon bald Studenten dort niederlassen könnten. Alles andere liefe dann von selbst. Der Westen als der neue Osten. „Wir waren etwa drei Jahre zu früh dran. Zum Durchhalten hat uns leider das Geld gefehlt“, sagt Bleuler. An der Marke Fritz Nielsen wollen er und sein Mitstreiter aber festhalten. Wo und in welcher Form – das lassen sie offen.

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