Berlin : Goebbels folgt Hitler in den Tod

1. Mai 1945: Die Sowjets lehnen Verhandlungen ab und fordern die Kapitulation

Richard Lakowski

Unabhängig von Hitlers Selbstmord gingen die Kämpfe in der Stadtmitte am 30. April weiter. Sie konzentrierten sich, vermutlich stärker des Symbolcharakters wegen als aus taktischen Gründen, um das Reichstagsgebäude. Gegen 18 Uhr drangen die ersten Angreifer in das Gebäude, kurz vor Mitternacht konnte eine Rote Fahne, die die Soldaten mit sich führten, in einem Mauerspalt festgeklemmt werden. Im Verlaufe des 1. Mai erlosch der Widerstand.

Die Leichen des Ehepaares Hitler waren verbrannt, ihre Überreste in einem Granattrichter des Gartens der Reichskanzlei verscharrt worden, als General Weidling, der Stadtkommandant, aus seinem Gefechtsstand im Keller des Bendlerblocks in den „Führerbunker“ gerufen wurde. Ihn erwarteten Goebbels, der machtgierige Reichsleiter Bormann und der Generalstabschef General Krebs. Erst hier erfuhr Weidling von Hitlers Selbstmord, über den er zu Stillschweigen verpflichtet wurde. Weiter teilte das Trio ihm mit, dass Verbindungen zum Gegner aufgenommen werden sollten, um einen separaten Waffenstillstand mit dem Ostgegner zu schließen, bis „eine neue Regierung“ in Berlin zusammengetreten sei, die Kapitulationsverhandlungen mit Russland aufnehmen sollte. Um die Verbindungsaufnahme nicht zu stören, wurden alle für den Abend des 30. April vorgesehenen Aktionen eingestellt.

Die Verbindungsaufnahme erfolgte im Abschnitt des 4. Gardekorps, der zwischen Corneliusbrücke und Zoo lag. General Weidling, der von Oberst von Dufving und einem Übersetzer begleitet wurde, empfing der Oberbefehlshaber der 8. Gardearmee, Tschuikow. Sein Gefechtsstand befand sich am Schulenburgring in der Nähe des Viktoriaparks. Unter den Anwesenden befand sich Stefan Doernberg, der Sohn eines deutschen Emigranten, damals Leutnant in der Roten Armee. Er erinnert sich, dass es Krebs nicht gelang, seinen Widerpart mit Hitlers Tod zu überraschen. Tschuikow bluffte und verhielt sich so, als ob er darüber bereits informiert wäre. Die entsprechenden von Goebbels und Bormann unterzeichneten Vollmachten vorweisend, trug Krebs die Vorgaben seiner Partner vor. „Die Gespräche zogen sich in die Länge, waren zum Teil auch in der Wortwahl ominös und insgesamt kompliziert“, erinnert sich Doernberg. Über Schukow wurde Moskau informiert, die Antwort lautete: „bedingungslose Kapitulation oder Kapitulation der Reste der Berliner Garnison, keinerlei Anerkennung der Regierung Goebbels“. Krebs, aufgefordert, zu Goebbels zum Bericht zurückzukehren, überquerte am 1. Mai um 14 Uhr die Front. Gegen 18 Uhr übermittelte ein Offizier der sowjetischen Seite die Ablehnung ihrer Bedingungen, die bis dahin bestehende Leitung zum Bunker wurde getrennt, die Gefechte gingen auch in dem Abschnitt der zeitweiligen Feuereinstellung weiter.

Der letzte Versuch des Reichspropagandaministers, Hitler zu überleben, war gescheitert, er folgte nun seinem Beispiel. Nach der Tötung der sechs Kinder begehen Goebbels und seine Frau Selbstmord. Dem schließt sich der Chef des Generalstabs, General Krebs, an. Eine Reichsführung besteht nicht mehr. Der Stadtkommandant entschließt sich etwa gegen 21.30 Uhr, den Widerstand in Berlin einzustellen.

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