Goldene Henne : Er hätte lieber auf den Preis verzichtet

Während des Amoklaufs in Norwegen hat er 24 Jugendliche von der Insel Utøya vor dem Attentäter Breivik gerettet. Dafür erhielt Marcel Gleffe die „Goldene Henne“. Nächste Woche bekommt er das Bundesverdienstkreuz.

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Marcel Gleffe hätte lieber auf seinen Preis verzichtet. Er hat bei dem Attentat von Norwegen 24 Jugendlichen das Leben gerettet. Foto: dapd
Marcel Gleffe hätte lieber auf seinen Preis verzichtet. Er hat bei dem Attentat von Norwegen 24 Jugendlichen das Leben gerettet.Foto: dapd

Fast unerkannt huschte der Mann über den roten Teppich, der später als Held gefeiert wurde: Marcel Gleffe hatte während des Amoklaufs in Norwegen mit seinem Boot 24 Jugendliche von der Insel Utøya vor Attentäter Anders Behring Breivik gerettet. Am Mittwoch ist er im Stage-Theater am Potsdamer Platz für seine Zivilcourage mit dem Medienpreis „Goldene Henne“ ausgezeichnet worden – von „Superillu“-Chefredakteur Robert Schneider und Per Anders Torvik Langerød, der von Gleffe gerettet worden war. „Ich weiß nicht, ob ich ohne Marcel Gleffe noch am Leben wäre“, sagte Langerød, der noch einmal an das Massaker am 22. Juli mit 69 Toten erinnerte.

Gleffes Ehrung gehörte zu den emotionalsten Momenten der Gala, die nach der 1991 verstorbenen Berliner Entertainerin Helga „Henne“ Hahnemann benannt ist. „Der Preis freut mich, aber ich würde lieber drauf verzichten – wenn es diesen Tag doch bloß nicht gegeben hätte“, sagte Gleffe, der in Norwegen lebt und Urlaub am Tyrifjord gemacht hatte. Am 4. Oktober soll er auch das Bundesverdienstkreuz I. Klasse erhalten.

Das Eiskunstläuferpaar Aljona Sawchenko und Robin Szolkowy Foto: dapd
Das Eiskunstläuferpaar Aljona Sawchenko und Robin SzolkowyFoto: dapd

Moderatorin und Komikerin Ruth Moschner führte durch die Gala, die bereits seit 17 Jahren von der „Superillu“, dem RBB und MDR veranstaltet wird, aber trotzdem eine Premiere feiern konnte: Erstmals wurde die „Henne“ nicht im Friedrichstadtpalast, sondern am Potsdamer Platz verliehen – auch, um ein Zeichen zu setzen. Denn glich der Platz vor 20 Jahren noch einem Niemandsland, vibriert die Gegend heute mit ihren Hotels und Bühnen. Dass Berlin nach der Wende wieder Hauptstadt wurde, ist zu einem gewissen Teil auch Wolfgang Schäuble (CDU) zu verdanken. Er hatte sich vor 20 Jahren, damals noch als Innenminister, mit einer emotionalen Rede vor dem Bonner Bundestag erfolgreich für den Umzug eingesetzt. Dafür wurde Schäuble vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit der „Henne“ in der Kategorie Politik ausgezeichnet.

Insgesamt wurden Preise in zehn Kategorien vergeben, unter anderem an die „Tatort“-Kommissare Jan Josef Liefers und Axel Prahl, die von Lesern und Zuschauern zu den Gewinnern in der Kategorie Schauspiel gewählt wurden. In der Kategorie Musik gewann Andrea Berg, Kai Pflaume erhielt den Preis als bester Moderator und nach ihrem Gold bei der Weltmeisterschaft durfte sich das Chemnitzer Eiskunstläuferpaar Aljona Sawchenko und Robin Szolkowy über eine „Goldene Henne“ als beste Sportler freuen, Katarina Witt überreichte den Preis.

Kai Pflaume bekommt eine "Goldene Henne" für seine Moderation. Foto: dpa
Kai Pflaume bekommt eine "Goldene Henne" für seine Moderation.Foto: dpa

Die „Goldene Henne“ selbst stand in diesem Jahr unter schwierigen Vorzeichen. Der bisher für die Gala zuständige MDR-Unterhaltungschef Udo Foht ist kürzlich entlassen worden, weil er sein Amt für private Zwecke missbraucht haben soll. Montag lieferte der Sender weitere Schlagzeilen: die Wahl des Nachfolger von MDR-Intendant Udo Reiter scheiterte.

Aufmunternd wirkte da der Song, den „Die Prinzen“ sangen: „Es war nicht alles schlecht“. Zum Programm gehörten Auftritte von Thomas Anders und Ex-Spice-Girl Mel C., unter den Gästen waren auch Gregor Gysi und Sigmund Jähn. Am Ende des Abends gab es noch einmal viel Applaus für „Wetten, dass…?“-Erfinder Frank Elstner. Er wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet – von dem scheidenden „Wetten, dass…?“-Moderator Thomas Gottschalk, der ab Januar im Ersten zu sehen ist. Tipps für den Neustart wollte Elstner Gottschalk aber nicht geben. „Das hat der gar nicht nötig. Wir gehen jetzt lieber einen trinken“, sagte Elstner und verschwand zur Aftershowparty ins benachbarte Hyatt-Hotel.

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