Berlin : Goldener Bär, weiße Tulpe

Wie Preisträger Fatih Akin beim Berlinale-Dinner um Mitternacht im Restaurant Borchardt ein Geburtstagskind überraschte

Elisabeth Binder

Wie ein Matador segelt Peter Raue nachts um halb zwölf im Restaurant Borchardt am Gendarmenmarkt ein. Zusammen mit Walter und Anne Momper ist der Vorsitzende des Vereins der Freunde der Nationalgalerie einer der ganz wenigen Nicht-Film-Leute, die am Bären-Dinner für die Preisträger der Berlinale teilnehmen dürfen. Will er etwa noch ein paar schöne Schauspielerinnen für die Eröffnung der Ausstellung des Museums of Modern Art rekrutieren? „Nein, nein“, wehrt er routiniert ab. „Alles schon lange voll!“ Die Stimmung ist ausgelassen, nachdem der letzte Vorhang gefallen ist. Festivalchef Dieter Kosslick herzt sich, immer wieder in offene Arme fallend, so durch den Raum, anscheinend ohne Kusskrämpfe zu kriegen. Star-Betreuerin June Galgey widmet sich gelassen ihrer Entenbrust. Ihr Schützling Ethan Hawke ist zwar entwischt, aber sie weiß, dass er einen minutiösen Stundenplan bei sich hat, der ihm sagt, wo er wann sein könnte. Und die Pflichttermine sind eh alle erledigt.

Preisträger Fatih Akin singt und raucht und trinkt und trägt dann seinen goldenen Bären von Freund zu Freund und lässt ihn ebenfalls Küsschen verteilen. Um Mitternacht heißt es „Happy birthday, dear Samira“, die iranische Regisseurin Samira Makhmalbaf, Mitglied der Jury, bekommt vom Festivalchef auf einem Dessertteller eine brennende Kindergeburtstagskerze überreicht und von Fatih Akin eine weiße Tulpe. Später schwebt die Hauptdarstellerin aus dem zuletzt im Berlinale Palast gezeigten Film „25 degrés en hivers“, Ingeborga Dapkunaite, durch den Raum, mit langen goldenen Ohrgehängen und live noch viel schöner als im Film.

Während das Festival mit einem halben Paukenschlag begonnen hatte, weil die Hauptdarsteller sich auf dem Weg zu „Cold Mountain“ eine Woche verspätet hatten, endete es mit einer Fanfare. Rührend der Auftritt von Filmemacher Stéphane Vuillet, der gestand, dass dies sein erster Film, sein erstes Festival und seine erste öffentliche Aufführung überhaupt gewesen sei. Dieter Kosslick, der „Hoffnung und gute Laune“ zu seinem persönlichen Festivalmotto erhoben hatte, wollte das Publikum gern mit diesem „Geist der Hoffnung“ ins nächste Jahr entlassen, bis zum Wiedersehen am 5. Februar 2005. Eine der letzten Szenen in „25 degrés…“ zeigt ein liebevolles kleines Mädchen, das mit großem Schwung ein nervendes Handy ins Meer schmeißt. Wirklich ein hoffnungsvolles Schlussbild. Leider bleibt genug Zeit, neuen Handys zu erliegen. Was indes die gute Laune betraf, die wurde im Borchardt noch bis in den Morgen zelebriert.

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