Berlin : Goldener Handschlag vom Steuerzahler

Die Tempodrom-Verwalter haben einen Käufer gefunden. Das Land Berlin zahlt noch einmal zehn Millionen drauf

Lars von Törne

Mit einem letzten Millionen-Geschenk an die künftigen Betreiber will die Landesregierung jetzt das verschuldete Tempodrom loswerden. Finanzsenator Thilo Sarrazin ist offenbar bereit, einen Zehn-Millionen-Euro- Kredit aus Landesmitteln zu begleichen, den das einst privat geführte Kreuzberger Veranstaltungszentrum bei der Landesbank Berlin aufgenommen hatte. Das bestätigte der Vizevorsitzende des Tempodrom-Stiftungsrates, Ulrich Klopsch, dem Tagesspiegel. Die Finanzverwaltung will sich dazu nicht äußern.

Hintergrund der Großzügigkeit des ansonsten wenig spendablen Sarrazin: Nur wenn der Bau am Anhalter Bahnhof, der in den vergangenen Jahren mehrfach durch Millionenspritzen des Landes vor der Insolvenz gerettet wurde, schuldenfrei ist, bestehen realistische Chancen, einen neuen Eigentümer zu finden. Bei einer Insolvenz wären die Kosten für das Land ähnlich hoch gewesen.

Auf dem Tempodrom lastete aus der Bauphase ein Kredit von gut zwölf Millionen Euro, von dem das Land für zehn Millionen Euro die Bürgschaft übernommen hatte. Die verbleibenden Millionen sollen durch den Kaufpreis ausgeglichen werden. In den vergangenen zwei Jahren war das von der Kulturmanagerin Irene Moessinger gegründete Haus wegen der Finanzkrise von einem vom Land eingesetzten Stiftungsrat verwaltet worden. Moessinger war nur noch als Pächterin für Kulturveranstaltungen zuständig.

Neuer Besitzer des Tempodroms soll nach Informationen des Tagesspiegels der Unternehmer Klaus Dieter Böhm werden, der in dem markanten Bau mit den Betonzacken bereits das Schwimmbad „Liquidrom“ betreibt. Darauf hat sich der Stiftungsrat nach einjährigem Hin und Her geeinigt, wie Stiftungsratsvize Klopsch bestätigt. Er ist Geschäftsführer des Jüdischen Museums und war einst als Vertreter der Kulturverwaltung in das Gremium entsandt worden. Klopsch zufolge besteht Einvernehmen, dass man Böhm das Tempodrom für die von ihm gebotenen 2,5 Millionen Euro verkaufen will. Ursprünglich hatte der Stiftungsrat gehofft, das Doppelte erzielen zu können. Allerdings fand sich niemand, der mehr investiert hätte.

Böhms letzter Mitbewerber, der britische Filmsammler Anthony Roland, wurde Klopsch zufolge vom Stiftungsrat als Käufer abgelehnt, weil er keine seriöse Finanzplanung vorlegen konnte. Eine Hintertür wollen sich Stiftungsrat und Finanzverwaltung allerdings offen halten, um den mageren Verkaufspreis eines Tages noch verbessern zu können: Mit einem so genannten Besserungsschein will man Böhm verpflichten, im Falle unerwartet hoher Einnahmen weitere 2,5 Millionen Euro zu zahlen. Insgesamt hat der Bau, der Ende 2001 eröffnet wurde, rund 30 Millionen Euro gekostet, größtenteils öffentliche Gelder. Böhm war gestern wegen einer Auslandsreise nicht zu erreichen.

Scharfe Kritik am Verfahren kam von der Opposition. CDU-Fraktionsgeschäftsführer Nicolas Zimmer bezeichnete es als „Skandal“, dass das Land sich erst jetzt vom Tempodrom trennt, nachdem dort „viele Millionen an Steuergeldern sinnlos verbrannt wurden“.

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