Berlin : Golf-Club Wannsee: Schickes Grundstück zum Schnäppchenpreis

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der Golf- und Land-Club am Wannsee: mit ökologisch wertvollem Teich inmitten uralter Eichen, mit schickem Clubhaus und doppelstöckiger Driving Range. Dieser Club ist die Wiege des organisierten Golfsports in Deutschland und gefeierter Mannschaftsmeister des Jahres 1999 - aber für den Landesrechnungshof seit vielen Jahren ein Ärgernis.

Der Verein - 1500 Golfer dürfen sich dazuzählen, 3000 Mark kostet die Aufnahme - zahlt für das insgesamt 57 Hektar große Gelände, das den Berliner Forsten gehört, bis zum Jahr 2014 nur dreißig Pfennig Nutzungsgebühr je Quadratmeter. Denn der Golf-Club ist als förderungswürdiger Sportverein anerkannt und hat den Nutzungsvertrag für das Areal äußerst geschickt ausgehandelt. Jetzt will der Verein das Gelände sogar kaufen und könnte auch dabei ein Schnäppchen machen.

Der bescheidene Mietzins wird übrigens seit 1988 unverändert gezahlt. Damals begnügten sich die Golfer mit 17,3 Hektar Waldgelände. 1994 kam ein großes, angrenzendes Areal zum gleichen Preis hinzu. Dann sollte der Mietvertrag für das gesamte Grundstück bis 2004 verlängert werden, aber dank intensiver Fürsprache von Abgeordneten, Senatsmitgliedern, dem Bezirksamt Zehlendorf und auf "herzliche Bitte" des zuständigen Staatssekretärs bekam der Verein einen Vertrag bis zum Ende des Jahres 2014.

Der Rechnungshof bezweifelt aber, dass der Club am Wannsee gemeinnützig im Sinne des Sportförderungsgesetzes ist, warf den Berliner Forsten schon vor drei Jahren gravierende Fehler bei den Vertragsverhandlungen vor und erinnerte daran, dass das Forstamt die Nutzungsgebühren für förderungswürdige Sportvereine 1996 auf 60 Pfennig pro Quadratmeter verdoppelte.

Alle zahlen inzwischen die sechzig Pfennig, nur der Golf-Club nicht. Dem Land Berlin entstehe dadurch ein Schaden von 3,1 Millionen Mark, kritisierte der Rechnungshof. Unberücksichtigt blieb außerdem, dass der Verein Teile des Geländes "für Wohnzwecke, Gaststätten- und andere Dienstleistungszwecke" untervermietet hat. "Übernachtung auf Anfrage" wird in den Clubinformationen angeboten. Für diese Nutzungen müsste die ortsübliche Miete berechnet werden.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wurde vom Rechnungshof aufgefordert, mit dem Golf- und Land-Club nachzuverhandeln und Schadensersatzansprüche gegen Mitarbeiter des Forstamtes zu prüfen, die für die Verträge verantwortlich zeichneten. Jahrelang wurde geprüft und im Ergebnis muss die Stadtentwicklungsverwaltung passen. "Die Verhandlungen mit dem Golf- und Land-Club mit dem Ziel, vor Vertragsablauf 2014 eine Minderung des unterstellten Schadens für Berlin zu erreichen, müssen als gescheitert angesehen werden", steht in einem internen Vermerk, mit dem sich am vergangenen Freitag der Rechnungsprüfungsausschuss des Abgeordnetenhauses befasste. Die Behörde kam zu dem Schluss, dass weder ein vertraglicher noch ein gesetzlicher Anspruch auf Mieterhöhung bestehe. Jedenfalls nicht vor Ablauf des Vertrages.

Außerdem habe der Club-Chef Roland Specker die Staatssekretärin Maria Krautzberger auf erhebliche Eigeninvestitionen in die Golfanlage und damit verbundene Kreditbelastungen des Vereins hingewiesen. Bei einer Erhöhung des Mietzinses könne ein "weiterer Verbleib auf diesem Standort nicht mehr finanziert werden". Eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen, schließt der Verein aus: "Wegen des Risikos des Wegfalls der Gemeinnützigkeit", heißt es dort zur Begründung.

Die Rechnungsprüfer des Parlaments akzeptierten diesen Senatsbericht nicht, forderten bis Ende September "substanzielle Informationen" und wunderten sich sehr, dass der Rechnungshof zwei Gutachten über den Wert des Golf-Grundstücks bis heute nicht einsehen durfte. Der Golf- und Land-Club will nämlich das Gelände kaufen, um über das Jahr 2014 hinaus planen zu können. Ein Verkehrswert-Gutachten im Auftrag des Vereins kam auf 5,2 Millionen Mark für die 57 Hektar am Stadtrand. Ein Senats-Gutachten berechnete immerhin 9,5 Millionen Mark. Selbst dies sei ein "Dumping-Preis", kritisiert die Haushaltsexpertin Camilla Werner vom Bündnis 90 / Die Grünen.

Für den Grundstücksverkauf an Sportvereine liegt die vom Senat akzeptierte Untergrenze derzeit bei 40 Mark pro Quadratmeter. Demnach wäre der schöne Golfplatz im grünen Südwesten mindestens 22,7 Millionen Mark wert.

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