Golfclub Wannsee : Nah am Senat

Bis heute ist der Golfverein am Wannsee eine exklusive Adresse des deutschen Golfsports - und auch bei den Berliner Politikern sehr beliebt. Schon seit den achtziger Jahren wurde er deshalb großzügiger behandelt.

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Idyll am Wannsee: Mehrfach prämiert wurde der Klub wegen seiner vorbildlichen Jugendarbeit. Er hat 1100 Mitglieder, die...Grafik: Tsp

Der Golf- und Landclub Wannsee wurde 1895 von britischen und amerikanischen Diplomaten gegründet. Bis heute ist der Verein eine exklusive Adresse des deutschen Golfsports. Mehrfach prämiert wegen seiner vorbildlichen Jugendarbeit, mit 1100 ordentlichen Mitgliedern, die lebenslanges Spielrecht haben. 1988 bekam der Club vom damaligen CDU/FDP-Senat für das 56,8 Hektar große Gelände in feiner Stadtrandlage einen überaus günstigen Mietvertrag (15 Cent pro Quadratmeter), der 1994 für 20 Jahre zu den alten Konditionen verlängert wurde. Damals regierten CDU und SPD.

Der Landesrechnungshof bezweifelte im Jahresbericht 1997, dass der Verein „trotz seiner bisherigen Anerkennung gemeinnützig und somit förderungswürdig im Sinne des Sportförderungsgesetzes“ sei. Der bis 2014 geltende Vertrag kam nach Recherchen des Rechnungshofs „auf Fürsprache“ des damaligen Senators Jürgen Klemann und des Staatssekretärs Lutz Wicke (beide CDU) zustande. Klemann spielte gern Golf in Wannsee, andere Politiker auch. Das Wohlwollen des Senats war dem Club in Wannsee jederzeit sicher. Im Jahr 2000 spendete die Landesbank Berlin (LBB) dem Verein sogar 75 000 Euro.

Kaufangebot unbemerkt von der Öffentlichkeit

Und bereits 2003 bot der rot-rote Senat unbemerkt von der Öffentlichkeit den Wannseern an, ihr Grundstück für 4,35 Millionen Euro zu kaufen. Die Verhandlungen wurden abgebrochen, weil der Club Probleme sah, das Geschäft zu finanzieren. Die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen (durchschnittlich 1023 Euro im Jahr), die Aufnahmegebühr von 1534 Euro und die Investitionsumlage von 510 Euro pro Jahr und Mitglied ließen nicht alle Blütenträume reifen.

Heute steht der Golfclub aber wirtschaftlich sehr gut da. Nach internen Vorstandsunterlagen kann im laufenden Jahr ein Überschuss von 1,5 Millionen Euro erzielt werden. Im vergangenen Jahr waren es 1,7 Millionen Euro. In den letzten fünf Jahren wurden 4,5 Millionen Euro Kredite getilgt und zusätzlich 1,5 Millionen Euro in die Golfanlagen investiert. Seit 1995 wurden insgesamt 17 Millionen Euro Investitionen getätigt. Nach dem Wegfall der Gemeinnützigkeit sollen Beiträge und Aufnahmegebühren beträchtlich erhöht werden. Der Versuch, zu expandieren und den Golfclub in Motzen zu übernehmen, schlug aber fehl. Der Vorstand muss sich dafür auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im September verantworten. (za)

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